Montag, 20. Mai 2013

[Rezension] Escape - Jennifer Rush


Annas Leben ist alles andere als normal: schon seit fünf Jahren leben Sam, Cas, Trev und Nick unter ihrem Dach. Aber nicht als freie Menschen - nein, sie dienen als Objekte für die Forschung ihres Dads, bei der Anna ab und zu assistiert. Natürlich hat sie diese seltsame Situation schon oft genug hinterfragt - aber Antworten bekommt sie nie. So versucht sie das Beste draus zu machen und den vier Jungs - und ganz besonders Sam - diese eingesperrte Zeit mit Tests, Medikamenten und allem anderen so angenehm wie möglich zu machen. Bis sich eines Tags die Ereignisse überstürzen und sie mit ihnen fliehen muss...


So war das auch mit der Hoffnung. Man klammerte sich an etwas, von dem man nicht wusste, ob man es jemals erreichen würde. Aber man musste sich trotzdem weiter daran festhalten, denn wo blieb sonst der Sinn?
(Escape, S. 117 Z. 26-29)


Ihr wisst gar nicht, wie froh ich bin, dass ich Escape letzten Endes doch noch gelesen hatte. Ich war zwar seit dem Erscheinen "heiß drauf", aber irgendwie hatte ich es mir nicht gleich zu Anfang geholt und als ich dann endlich die Möglichkeit dazu hatte, war die Lust nicht mehr so groß - und das bei den positiven Rückmeldungen, die jedenfalls ich überall lesen konnte. Letztens stand ich aber in der Buchhandlung und hatte das Gefühl, auf Teufel komm raus ein Buch kaufen zu müssen. (Schrecklich so was. Kennt das jemand?) Und so wurde es eben Escape. 

Ich ging also mit relativ hohen Erwartungen an das Buch ran, weil es wirklich überall gelobt wird und sich auch wirklich nicht schlecht anhörte. Schon auf den ersten Seiten kommt man gut in die Geschichte rein, die aus Annas Sicht in der Vergangenheit erzählt wird. Man erfährt etwas von ihrem alltäglichen - für uns total schräg und sonderbar - Leben, wie sie sich um die Jungs kümmert und natürlich auch davon, dass sie sich wünscht, Sam würde auch eine gewisse Zuneigung zu ihr entwickeln.
Ich habe Anna von Anfang an gemocht. Auf der einen Seite hat sie ihre verletzlichen Stellen, aber trotz allem erweist sie sich als starke, wirklich tolle Protagonisten, an der ich wirklich nichts auszusetzen habe. Im Laufe des Buches entwickelt sie sich zusätzlich und wird mutig, tut Dinge, die man ihr zu Anfang gar nicht recht zugetraut hätte.
Dann sind da die Jungs - und auch wenn das jetzt ein bisschen subjektiv wird: Wie kann man sie NICHT mögen? Also wirklich, ich kann - mich - nicht - entscheiden. *schwärm* Allen voran ist da natürlich Sam, der Anführer, der zwar auch eine herzliche Seite hat, aber genauso gut hart und abweisend, "nüchtern" sein kann. Er versucht immer, einen klaren Kopf zu behalten und über sein vergangenes Leben, an das er sich, wie die anderen Jungs, nicht erinnern kann, zu erfahren. Trev ist Annas bester Freund und glänzt immer mit Zitaten, da sein Gedächtnis außerordentlich gut ist. Er liest gern, ist klug und scheint immer einen Rat für Anna zu haben. Cas hat immer einen Witz auf Lager - und das auch in den unpassendsten Situationen. Außerdem isst er für sein Leben gerne, was man ihm natürlich nicht ansieht; denn alle vier Jungs sind genmanipuliert und haben unglaublich viele und ausgeprägte Muskeln. Zum vierten im Bunde, Nick, haben Anna und auch die anderen eher ein weniger gutes Verhältnis, denn Nick ist oft nicht ihrer Meinung, aggressiv oder total defensiv.
Wie man sieht, sind die Jungs wirklich verschieden - und zwar in einem guten Mix, finde ich, und das sind wirklich ungelogen die genialsten Charaktere, von denen ich in letzter Zeit gelesen habe. Selbst Nick habe ich definitiv in mein Herz geschlossen und ich freue mich so, dass es einen zweiten Band geben wird, in dem hoffentlich noch mehr von allen erzählt wird. ^_^
Okay. Genug geschwärmt. *räusper* Ich habe ja bereits erwähnt, dass man gut in die Geschichte hineinkommt, der Schreibstil erschafft schöne Bilder, ist aber dennoch relativ schlicht, was mir sehr gut gefällt und auch gut mit der Geschichte harmoniert. Außerdem macht die Story selbst einfach so neugierig, dass man weiterlesen, mehr erfahren will. 
Nach nur ein paar Kapiteln schlittert man schließlich in den ersten spannenden Moment - und ab da gibt es wirklich kein Halten mehr! Escape nimmt so sehr an Fahrt auf, dass man beinahe atemlos von einem Kapitel ins nächste rutscht und gar nicht mehr aufhören will, weil es so spannend ist. Es ist unglaublich, was Jennifer Rush geschafft hat. Die Geschichte strotzt nur von energiereichen Momenten, unglaublich überraschenden Momenten und gleichzeitig auch - egal in welcher Ebene - berührenden Szenen.
Wie ihr seht, bin ich wirklich unglaublich begeistert von dem Buch und ich war wohl selten so froh, dass es noch einen zweiten Teil gibt, auch wenn das Buch in sich zumindest größtenteils abgeschlossen ist. Falls es also tatsächlich irgendeine verirrte Seele :P geben sollte, der das Buch nicht gefällt... :D


"Escape" ist ein atemberaubendes Debüt, das wirklich nur so vor Spannung strotzt. Wer sich bisher noch nicht dran getraut hat, der sollte es spätestens jetzt tun - es lohnt sich wirklich und ich habe nichts daran auszusetzen!


Titel: Escape
Klappenbroschüre: 320 Seiten
Verlag: Löwe
Reihe: 1/?
Preis: 12,95€
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Samstag, 11. Mai 2013

[Rezension] Selection - Kiera Cass




Originalausgabe
Das Amerika wie wir es heute kennen existiert nicht mehr, die Spaltung der verschiedenen Schichten wurde in Kasten umgewandelt. 

Die junge America Singer gehört Kaste 5 an, einer niedrigen Kaste voller Künstler und Sänger, als die Castings Landesweit zum Vorschein treten.

Der unverheiratete Kronprinz Maxon sucht eine Frau, aus diesem Zwecke soll eine Selektion zwischen den Bewerberinnen stattfinden, aus welchen 34 Mädchen ausgewählt werden. 

Weil Americas Freund und große Liebe, sowie ihre Familie, sie erst dazu überredet teilzunehmen, bricht eine Welt zusammen, als sie doch gewählt wird.
Im Schloss trifft das Mädchen mit den anderen Kandidatinnen und dem Prinzen zusammen und schnell wird klar: Eine künftige Prinzessin unter seinen Reihen zu haben ist alles andere als einfach. Als sie dann beginnt, sich mit dem Prinzen anzufreunden, nimmt alles ungeahnte Bahnen.



Die Idee erinnert deutlich an Castingshows wie wir sie kennen: Die Kandidaten treten vor eine Jury, ohne dass die Kamera dabei ist. Die ausgewählten unter ihnen kommen ins Fernsehen, die Castings werden also öffentlich, genauso wie in diesem Buch.  Obwohl sie es nicht will, wird America ausgewählt und hat nun den ganzen Luxus zu ertragen: ernsthaft?

Ganz genau. Ein Punkt, der mich ziemlich verwirrte. Sie konnte doch froh sein, ihrer Familie durch ihre Teilnahme zu helfen. Denn eins steht doch mal fest: Wenn man nicht ausgewählt werden möchte, dann wird man es auch nicht, oder etwa doch? 

Sie ist nun mal „Liebeskrank“, was allerdings auch ein Stück weit verständlich ist. Ihr ganzes Leben, für die Liebe – fairer Handel. (pah. xD)

An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich eigentlich kein Fan von Castings bin, doch das Cover des Buches war einfach zu schön… Ich habe ein Faible für schöne Dinge :D 
Allerdings möchte ich auch festhalten, dass mich das alles ein bisschen an Panem erinnert hat – und klein Denise muss natürlich lesen und Parallelen suchen. Die ich auch gefunden habe, obwohl sie meiner Meinung nach nicht erwähnenswert sind, weil die Story so ganz gut funktioniert. Die Selektion, also die Auswahl und die Kasten, sind denke ich eine ziemlich offensichtliche Parallele, die wohl nicht all zu sehr abschreckt. Auch finden sich sehr viele Aspekte aus dem heutigen Leben, Autos, Flugzeuge. Im großen und Ganzen gibt es keine neuen Technologien... 
Das Szenario ist eindeutig: Die Welt steht im Wandel – und da ist es nicht schwer, auf eine solche Schichten-Teilung zu kommen. Im Grunde genommen gibt es diese ja auch heute: Oberschicht, Mittelschicht und alles darunter. 
Meiner Meinung nach ist es auch gar nicht falsch, die Situation ein bisschen ins extreme zu ziehen, schöne Geschichten entstehen daraus und vielleicht werden dem ein oder Anderen die Augen geöffnet, etwas zu ändern. 
Die Charaktere dieses Buches sind nicht unbedingt immer gleich beleuchtet. Je nach Americas Kenntnisstand sind sie eher gut, oder weniger gut beschrieben. Die Namen waren allerdings ein bisschen viel. Ehrlich gesagt fallen mir wohl einige wenige beim Schreiben dieser Rezension ein, aber das war’s dann auch schon wieder. 
Aber – und das ist positiv zu bewerten – braucht man eigentlich auch nicht so viele Namen. Die Flut hält sich in Grenzen, es werden nur Mädchen erwähnt, in dessen unmittelbarer Umgebung die Protagonistin sich
deutsche Ausgabe
aufhält. 
Die Charakterzüge der Hauptcharaktere sind schön aufgebaut, auch wenn sie sich grob gesehen nur auf Aspen, Maxon und America beschränken. Ab da ist alles „Schichtweise“ – das heißt, dass die Familie und die Hausmädchen, sowie Freunde noch ganz gut beschrieben werden, dann nimmt die Information bis hin zu den unwichtigsten Leuten stetig ab.
So entsteht kein Infodumping, alles bleibt aber schön Detailgetreu wiedergegeben. 
Der Schreibstil dieses Buches lässt sich im Grunde gut und flüssig lesen, er lässt nicht zu viele Fragen offen und gibt einen guten Überblick. Während ich las, konnte ich mir die Leute und die Umgebung gut vorstellen, wenngleich sie nicht immer zu 100% beschrieben waren. Es gibt viel Freiraum für die eigene Kreativität. 
America als Protagonistin ist eher typisch: Eine starke junge Frau mit eigenem Willen, die sich für andere einsetzt und auch manchmal ihr eigenes Wohl vergisst. An sich keine schlechte Idee – in diesem Typus können sich viele Mädchen  wieder finden, (obwohl nicht gesagt ist, ob andere es auch so sehen. Ich persönlich habe immer – wenn auch nicht unbedingt erkenntlich – einen eigennützigen Hintergrund bei so ziemlich allem… *pfeif*) aber er ist mittlerweile ein wenig abgegriffen. Sicher hatte sie auch ihre Ecken und Kanten, war aber ziemlich vorhersehbar…


Zugegeben: Ich bin ein wenig zwiegespalten. Ich finde dieses Buch wirklich gelungen und empfehlenswert für zwischendurch. Wenn man allerdings den fesselnden, spannenden Lesespaß erwartet, ist man hier ein wenig fehl am Platz. 

Zweifellos ist das Buch gut und schön zu lesen – aber wirklich vorhersehbar, Klischeehaft und nichts für Skeptiker. Ich bin ohne Vorurteile an das Buch heran gegangen und muss sagen, dass es mich positiv überrascht hat, auch wenn die Dreiecksgeschichte ein bisschen genervt hat...







Titel: Selection
Hardcover: 368 Seiten
Verlag: Sauerländer 
Reihe: 1/3
Preis: 16,99€
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Sonntag, 28. April 2013

[Gebrabbel] "Ich will etwas Neues lesen!" - "Etwas Neues? Das gibt's doch gar nicht mehr!"

... oder über das Phänomen von immer wieder brauchbaren Ideen

Ich weiß, dass es in letzter Zeit doch einige solcher Gebrabbel-Posts gab, aber es ist so, dass ich in letzter Zeit wirklich Ideen dafür hab (allerdings nichts, was ich rezensieren könnte) und mir deshalb denke, dass ich diese Ideen einfach nutzen sollte. Ich hoffe, das ist okay für euch, und ihr lasst euch auf ein weiteres Gebrabbel mit mir ein!

Den Anstoß zu diesem Gebrabbel bekam ich dadurch, dass ich auf einen Amazon-Link klickte, und - was auch sonst :P - auf die Seite eines Buches kam, zu dem ich mir auch gleich den Klappentext durchlas. Ich weiß den Titel des Buches schon gar nicht mehr, ich weiß nur noch, dass ich mir dachte "Ah, nach Cover und Titel beurteilt hört sich's ja gar nicht mal so schlecht" an und dann, wie eben gesagt, zum Klappentext weiter wanderte. Dort las ich etwas in der Art: Xyz führt ein ganz normales Leben, bis sie eines Tages auf den geheimnisvollen Abc trifft. Doch Abc hat ein dunkles Geheimnis und schon bald wird Xyz vor die Wahl gestellt - die Liebe ihres Lebens oder die Rettung ihres eigenen Lebens?
Das hier ist natürlich frei erfunden, aber jetzt sind wir mal ehrlich: Wer von euch hat so einen Klappentext schon mal gelesen? Ja, richtig. Und wer hat so einen Klappentext schon zu oft gelesen? Ja, fast genauso viele.
Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber bei mir entscheidet in... 70 Prozent der Fälle der erste Eindruck, ob ich ein Buch lesen möchte oder eben nicht. Wenn ich also so einen Klappentext lese (oder einen à la Xyz muss sich zischen dem dunklen Abc und dem lockerflockigen Cba entscheiden, und egal, wen sie wählt, es wird ihr Leben für immer verändern...) oder halt einen dieser typischen Klappentexte, dann ist das Buch schon bei mir ziemlich unten durch. Kommt jetzt nicht eine Freundin her oder lese ich nicht viele überzeugende Rezensionen, dann werde ich es auch einfach nicht anrühren.
Das mag sich jetzt ziemlich arrogant anhören, aber wenn ich dies jetzt ein wenig auf mein gesamtes Leben beziehe, dann habe ich höchstwahrscheinlich nur ein Leben, um all die Bücher zu lesen, die ich gerne lesen würde, und da muss ich nicht zu viele lesen, die ich nicht unbedingt lesen will.
Wie ist das denn bei euch? Inwiefern lasst ihr euch von den Klappentexten beeinflussen und kauft ihr ein Buch auch, wenn euch die Story eigentlich schon ziemlich bekannt vorkommt?

Aus all diesen Gründen habe ich mich gefragt: Tja, gibt es denn noch innovative, neue Ideen heutzutage? Ich will es nicht lang und breit reden, denn die Antwort für mich ist eindeutig - ja, natürlich gibt es das! Da sind zum Beispiel Auracle, mit Astralreisen, oder Ich fürchte mich nicht, mit einem Mädchen, das man nicht anfassen kann. Alles auf ihre eigene Art und Weise wundervolle Bücher, die auf jeden Fall das Leben  bereichern und beweisen, dass es zwischen all den "0815-Dystopien" (ich will damit nicht alle Dystopien über einen Kamm scheren, ihr wisst hoffentlich, wie ich das meine) und den "Mädchen-trifft-mysteriösen-Jungen"-Geschichten auch noch Autoren gibt, die sich wirklich, wirklich faszinierende, neue Geschichten ausdenken!
Was nicht heißen soll, dass die "alten" Storys nicht gut sind: Denn gewissermaßen bringen sie auch immer ein Stückchen Heimat mit sich, und nur weil die Story hier ein bisschen Twilight und dort ein bisschen Panem intus hat, kann der Autor ja immer noch einen wundervollen Nebencharakter Karl-Gustav erschaffen haben, der einen ziemlich zum Lachen bringt.

So, und damit ist mein Gebrabbel für heute beendet und zum Schluss möchte ich die Frage an euch stellen: Welche besonderen Bücher kennt ihr, deren Idee wirklich besonders ist und ihr total genossen habt?

Sonntag, 21. April 2013

[Rezension] Linna singt - Bettina Belitz


Fünf Jahre sind vergangen seitdem Linna das letzte Mal alle gesehen hat: Fünf Jahre, in denen Maggie, Simon, Jules und Falk ihre eigenen Wege gegangen sind und fünf Jahre, in denen Linna kein einziges Mal gesungen hat. Nun sind sie wieder vereint. Nicht nur das - sie sind auf engstem Raum eingepfercht in einer Hütte in den Bergen, abgeschnitten von der Zivilisation. Und Linna muss feststellen, dass die Differenzen innerhalb der Gruppe größer sind, als sie je gedacht hätte...


Ich oute mich an dieser Stelle als Bettina Belitz Fan und fühle mich nach Beenden von Linna singt noch mehr darin bestärkt. Denn sie zeigt, dass sie es wirklich kann. Und dass sie sich treu bleibt. Dinge, die wohl bei einem Autor essentiell sein sollten.
Es geht direkt mit der ersten Seite bei dem Wiedertreffen los, gemischt mit vielen Rückblicken auf die gemeinsame Bandzeit und den Gründen, wieso Linna die Band aufgelöst hat. Man bekommt von Anfang an einen guten Einblick auf alle Charaktere, einen wirklich interessanten Eindruck - denn sie unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Linna ist beinahe abgeschreckt, weil sie mit vielen Veränderungen konfrontiert wird und feststellen muss, dass sie selbst in den letzten fünf Jahren irgendwie auf der Stelle geblieben ist, während alle anderen sich weiterbewegt haben. 
Sobald sie in der Hütte ankommen, geht das Buch auf eine Ebene weiter, die wirklich, wirklich unter die Haut geht. Es ist unbeschreiblich. Frau Belitz schafft es mit ihren Worten, die geschickt die Geschichte umweben, alles so auf den Leser einwirken zu lassen, dass man sich teilweise beinahe beklemmt fühlt. So ging es mir jedenfalls. Unter meine Bettdecke gekrochen wurde es mir kalt, ein Gewicht schien mir auf der Brust zu lasten, es fiel mir beinahe schwer, weiterzulesen. Das alles schafft sie nur mit der Geschichte und, weil ich mich so unglaublich in Linna hineinfühlen konnte, weil ich es einfach irgendwie krass fand, ich kann es jetzt nicht beschreiben, obwohl es schon ein paar Tage her ist, dass ich so empfunden habe, aber ich saß vor dem Buch und wollte Linna schütteln, ich wollte sie aus dem Ganzen rausholen, weil ich ihr Leid auf eine wirklich krasse Art und Weise nachvollziehen konnte. Das ist also wirklich einwandfrei - und das ist nahezu untertrieben - gelungen.
Demnach steht Linna als Hauptprotagonistin im Mittelpunkt der Geschichte. Wer Bettina Belitz kennt, weiß, dass sie unglaubliche Charaktere konstruiert: schwierige Charaktere - ich erinnere an Elli aus Splitterherz - die überall anecken zu scheinen, aber trotzdem nicht realistischer sein könnten. So ist auch Linna. Isoliert, irgendwie einsam, sie hat schlimme Probleme mit ihrer Mutter, ist aber gleichzeitig ein unglaublich mutiges, selbstbewusstes Mädchen, das im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertig ist. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, bei aller Liebe nicht.
Der wunderbare, bildhafte Schreibstil trägt wohl seinen Teil dazu bei, dass der Psychoterror, der in der Geschichte doch eine eindeutige Rolle einnimmt, richtig wirken kann. Und auch wenn die Geschichte nicht immer vor Spannung trotzt, so brennt man als Leser doch förmlich nach der Auflösung des Ganzen.
Damit komme ich dann zum einzigen Punkt, der mich an dem Buch gestört hat, aber wohl doch nicht so sehr, als könnte ich groß etwas abziehen - das Ende. Zum Einen ist es nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte (welches Ende ist das schon), andererseits aber ist es auch nicht hundertprozentig zufriedenstellend und mir hat noch die ein oder andere Information gefehlt.
Ansonsten beweist Linna singt nur wieder auf voller Linie, dass es Bettina Belitz halt einfach drauf hat.


Linna singt ist ein tief berührendes Buch, das repräsentiert, was Bettina Belitz alles drauf hat. Auch wenn mir das Ende nicht ganz zugesagt hat, so ist es doch ein Buch, das ich definitiv weiterempfehlen kann!


Titel: Linna singt
Hardcover: 508 Seiten
Verlag: Script5
Reihe: -
Preis: 18,95€
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Samstag, 13. April 2013

[Rezension] Auracle - Gina Rosati


Anna ist kein normales Mädchen. Denn sie hat die Fähigkeit, astral zu reisen. Das bedeutet, dass sie sich praktisch aus ihrem "Körper" lösen kann - und jeden Ort der Welt besuchen kann, den sie möchte. Eines Tages geht allerdings etwas schrecklich schief und sie beobachtet, wie ein Mädchen stirbt und ein Freund dafür beschuldigt wird. Natürlich könnte sie alles aufklären - wäre nur nicht zumindest das äußerlich tote Mädchen Taylor, das nun in Annas Körper geschlüpft ist...


Sag mal, könnt ihr die Rezensionen über Auracle überhaupt noch sehen oder liest das hier niemand mehr? :D Nachdem der Bloomoon Verlag sich entschieden hatte, als Osterüberraschung allen Bewerben  (und das waren 107 Stück!) ein Exemplar zu geben, herrscht in der Bloggerwelt wohl ein ziemlicher Auracle-Overflow. :P Schon allein, weil es Vorgabe ist, die Rezension zu machen, muss ich natürlich auch meinen Senf dazu geben. (Ich würde es allerdings auch trotzdem tun.)
Die Idee selbst hat mir natürlich schon allein sehr gut gefallen, weil mir jedenfalls noch nie ein Buch, das Astralreisen behandelt, untergekommen ist und ich finde, dass man wirklich einen guten Eindruck im Verlauf des Buches davon bekommt. Die eigentliche Handlung geht auch relativ zügig voran und es bleibt wirklich immer spannend, wenn Anna und ihr bester Freund Rei versuchen, Taylor aus Annas Körper hinauszubekommen und gleichzeitig Seths - der Taylor umgebracht haben soll - Unschuld zu beweisen.
Das Buch wird aus Annas Sicht in der Gegenwart erzählt, was in meinen Augen auch der "typische" Erzählstil ist, der momentan so rumgeht. Er ist also auch nicht mehr wirklich etwas Besonderes, aber er ist gut und einfach zu lesen und hält sich nicht an komplizierten Beschreibungen auf.
Anna ist wohl als Protagonistin und Erzählerin die Person, mit der man am meisten Zeit verbringt. Leider ist sie auch die, mit der ich am meisten Probleme hatte, auch wenn das jetzt nicht so arg viele sind. Ich bin nur leider in das selbe "Fettnäpfchen" getreten, das ich auch bereits bei Zirkel hatte. Diese Emotionslosigkeit. Anna ist nämlich ein wirkliches liebes Mädchen, sie hat hin und wieder echt guten Humor und man bekommt auch einen guten Eindruck von der Beziehung zu ihrem alkoholsüchtigen Vater, ihrem besten Freund Rei und den anderen, allerdings ist sie in Hinsicht auf das, was ihr passiert (dass Taylor ihren Körper übernimmt usw.) TOTAL emotionslos. Ich habe das ganze Buch über auf einen Ausbruch gewartet, oder dass sie sich wenigstens mal darüber richtig aufregt, aber es ist überhaupt nichts passiert. Und das hat mich wirklich heftig gestört, denn es wirkte so, als wäre ihr das alles eigentlich ziemlich egal und sie fände es letzten Endes sogar noch witzig.
Ihr bester Freund Rei hingegen hat mir einen Ticken besser gefallen. Er selbst hat seine "Erfüllung" in Trainung und Meditation gefunden und ist ein ausgeglichener, ruhiger Typ. Die tiefe Bindung, die er zu Anna hat, kann man förmlich spüren und es ist wirklich sehr schön, mitzuerleben, wie er sich um sie sorgt und kümmert. Dabei hat selbst er es nicht leicht, denn er bekommt von seiner Mutter einen unterschwelligen Druck vermittelt, das erreichen zu müssen, was sie will.
Die beiden harmonieren für mich einfach perfekt, denn sie ergänzen sich und die Freundschaft, die Frau Rosati geschaffen hat, ist wirklich herzerwärmend und einfach realistisch.
Taylor als "die Böse" hat mir auf der einen Seite gut gefallen, auf der anderen Seite habe ich sie irgendwie gehasst, für das, was sie Anna antut, und dann auf noch einer anderen Seite hat sie mir schrecklich leid getan. Sie ist also gut gelungen: ein in sich zerissenes, kaputtes Mädchen, das sich mit aller Kraft noch an den Rest des Lebens klammert, das sie sonst immer so verdrängen will. (Und wahrscheinlich ist das die Art und Weise, wie der "perfekte Bösewicht" sein sollte.)
Eine klitzekleine Tatsache, die mich noch gestört hat, ist der Untertitel des Buches à "Ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe", denn ich muss ehrlich gesagt zugeben, dass der mich doch ziemlich abgeschreckt hätte, würde ich nicht wissen, in was es in dem Buch geht. Er hört sich beinahe "billig" an und lässt eine Dreiecksbeziehung vermuten, aber darum geht es in dem Buch nun wirklich nicht.


"Auracle" ist sicher kein 0815-Roman. Es ist ein Buch über tiefe Verbundenheit und Freundschaft und man fragt sich automatisch, wie man reagieren würde, wenn man in Annas oder Taylors Situation wäre. Was würde einen bewegen, sich so am Leben festzuklammern? Ich jedenfalls werde das Buch nicht so schnell vergessen und auch wenn Anna stellenweise sehr emotionslos rüberkam, bin ich doch sehr froh, das Buch gelesen zu haben.


Vielen Dank an den bloomoon Verlag und Blogg dein Buch für das Rezensionsexemplar!

Titel: Auracle
Hardcover: 368 Seiten
Verlag: bloomoon
Reihe: -
Preis: 16,99€
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