Sonntag, 29. Mai 2016

[Rezension] Ruin and Rising - Leigh Bardugo

Da es sich hierbei um den dritten Band der Trilogie handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.
Der Abschnitt "Die Grisha-Trilogie - Resümee" ist jedoch spoilerfrei.

Inhalt
Bei dem Versuch, den Darkling zu töten, hat Alina fast sich selbst umgebracht. Der Apparat hat es sich zu seiner Aufgabe gemacht, sich um ihr "Wohlergehen" zu kümmern - inklusive endloser Stunden, die sie allein in einem Raum eingesperrt wird oder zahlloser, versteckte Drohungen. Alinas Besserung hält sich in Grenzen - alles, was sie sich wünscht, ist, ihre Kraft wieder benutzen zu können. Doch das geht nicht, solange sie sich im Untergrund befindet. Deshalb nutzt sie die erstbeste Chance, um dem Apparat zu entfliehen - und Ravkas Rettung ein für allemal in Angriff zu nehmen.

Zitat
"I am not ruined. I am ruination."
- Leigh Bardugo, Ruin and Rising

Meine Meinung
Ich schätze mich sehr glücklich, die Grisha-Trilogie nur mit wenigen Unterbrechungen gelesen haben zu können. Die meisten Buchreihen, die ich beginne, sind nicht vollständig, oder sie sind vollständig und ich komme doch nie dazu, die Folgebände zu bestellen. Hier war das ganz anders: kaum hatte ich den einen Band begonnen, war der nächste bereits unterwegs. Hätte ich gewusst, dass ich so gut mit der Trilogie klar komme, hätte ich auch alle auf einmal bestellen können. ;)
Jetzt aber zurück zu Ruin und Rising, dem - leider - finalen Band rund um Alina, Mal und den Darkling. Das Buch schließt beinahe nahtlos an seinen Vorgänger an und man befindet sich sofort wieder mitten in der Geschichte. Alina ist abermals eine Art Gefangene - nun allerdings in den Händen des Apparats, der fest entschlossen ist, Alina in ihre Rolle als Heilige zu pressen...
Ich glaube, ich habe es nie erwähnt, aber ich finde die Art und Weise, wie Alina in den Büchern behandelt wurde, unglaublich spannend. Meistens werden die Protagonisten höchstens als Helden bezeichnet, in den Grisha-Büchern wird jedoch regelmäßig "Sankta Alina! Sankta Alina!" geschrien. Ich habe noch nie von einer Protagonistin gelesen, die wirklich als Heilige verehrt wurde, und auch wenn der Fanatismus mancher Anhänger gelegentlich befremdlich war, so fand ich diesen Aspekt doch sehr neuartig und faszinierend.
Zu Alina habe ich mich bereits in den vorhergehenden Rezensionen genug ausgelassen, deshalb werde ich mich kurz fassen: Trotz der massiven Veränderungen, die sich durchläuft, bleibt sie bis zur letzten Seite eine Protagonistin, die ich gut leiden kann. Alina ist alles außer perfekt und erscheint mehr störrisch als die große Charmeurin, aber gerade das macht sie in meinen Augen so bodenständig und angenehm.
Mal hingegen... Ich habe wirklich, wirklich lange über ihn nachgedacht. Meine Aversion ist im letzten Band auch nicht wirklich verschwunden, auch wenn ich dazu übergegangen bin, ihn schlichtweg zu "akzeptieren". Vermutlich liegt es daran, dass seine Beweggründe für mich immer schwer nachzuvollziehen blieben, aber das ist okay. Die Art und Weise, wie Leigh Bardugo seine Beziehung mit Alina beschrieben hat, war in Ordnung - aber für mich mehr ein Randelement der Geschichte.
Nikolai hingegen... <3 Mehr kann ich nicht sagen. Ein toller Anwärter auf den Thron - sehr charismatisch, sehr optimistisch. Er hat immer etwas Leichtigkeit in die oft sehr düstere Geschichte gebracht.
Mein kleines Highlight ist allerdings immer noch der Darkling - ein fantastischer Antagonist, bei dem auch mal humane Seiten durchblitzen, wenn man auch letzten Endes deutlich sagen kann, dass ihm der Wahn zu Kopf gestiegen ist. 
Und bevor das eine endlose Charakterauflistung wird (tut mir leid) - die Nebencharaktere, vor allem Genya, Zoya aber auch Baghra, waren ebenfalls klasse und fügten sich perfekt in das Bild ein.
Was ich mir im Nachhinein bei Ruin und Rising gewünscht hätte, wäre tatsächlich etwas mehr Länge gewesen. Ich weiß, bei Shadow and Bone habe ich noch Bardugos Fähigkeit, auf den Punkt zu kommen, gelobt, aber als ich die letzte Seite umblätterte, wollte ich am liebsten noch mehr Geschichten, noch mehr über Alina und die anderen lesen. Die Bücher waren so schnell und einfach zu lesen, dass ich jetzt fast etwas wehmütig bin, dass es so schnell vorbeiging.
Letzten Endes hat mir auch Ruin und Rising sehr viel Unterhaltung geboten - sogar etwas mehr als seine beiden Vorgänger, da ich einfach beeindruckt davon bin, was für eine komplexe Welt/Geschichte Leigh Bardugo geschaffen hat.

Die Grisha-Trilogie - Resümee
Lest die Bücher! Wer Lust auf eine Trilogie hat, die auf durchgehend gutem Niveau bleibt und sich nicht mit vielen überflüssigen Wörtern aufhält, ist hier richtig. Besonders Leigh Bardugos Schreibstil, die Grisha-Welt und die Charaktere überzeugen! 
Die Kindle-Editions kosten (momentan?) jeweils nur 0,99€, also wer mal in die Welt von Alina und Mal schnuppern will, nur zu! :) (Als Nicht-E-Book-Leserin kann ich jedoch sagen: die Print-Bücher sind verdammt hübsch!)

Fazit
In Ruin and Rising spinnt Leigh Bardugo alle angefangenen Fäden zu Ende und schafft ein rundes, emotional forderndes Finale der Grisha-Trilogie - ein toller Abschluss! (Auch wenn ich traurig bin, die Charaktere gehen lassen zu müssen.)


Titel: Ruin and Rising
Taschenbuch: 370 Seiten
Verlag: Indigo
Reihe: 3/3
Preis: ca. 11€
Kaufen?

Sonntag, 22. Mai 2016

[Rezension] A Court of Mist and Fury - Sarah J. Maas

Da es sich hierbei um den zweiten Band einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Inhalt
Obwohl es Feyre gelungen ist, Amarantha zu besiegen und den Fluch aufzuheben, ist ihr Leben grundlegend verändert. Tag für Tag geht es ihr schlechter, und sie droht, an den Dingen, die sie tun musste, um Tamlin zu retten, zugrunde zu gehen. Von Tamlin erhält sie keinen Beistand - im Gegenteil: er unternimmt alles, um sie zu schützen, was sie mehr zu einer Gefangenen macht als zu einer Geliebten. Das Ganze eskaliert, als Tamlin sie einsperrt, was dazu führt, dass Feyre geradezu in Rhysands Arme flüchtet, der High Lord des Night Courts, mit dem sie den Handel abgeschlossen hatte...

Zitat
“He thinks he'll be remembered as the villain in the story. But I forgot to tell him that the villain is usually the person who locks up the maiden and throws away the key. He was the one who let me out.” 
Sarah J. Maas, A Court of Mist and Fury

Meine Meinung
Nach A Court of Thorns and Roses war ich nicht nur ein emotionales Wrack, sondern auch verstört, dass ich bis Anfang Mai auf den Folgeband warten musste. (Jetzt bin ich verstört, dass ich EIN JAHR auf den letzten Band warten muss. Ich weiß, für George R. R. Martin ist das wahrscheinlich ein Wimpernschlag, aber, aber...)
Der Mai kam aber schneller als gedacht und vor allem war mein Mai stressiger als erwartet, sodass ich vor ein paar Tagen erst das Schätzchen erhielt und verschlang. Anders ausgedrückt: ich habe es vor etwa vier Tagen beendet, und ich bin immer noch mittelschwer verstört. So einen schlimmen Buch-Hangover hatte ich zuletzt bei den Chroniken der Unterwelt, was mittlerweile über vier (?) Jahre her ist.
Jetzt allerdings zurück zu A Court of Mist and Fury, was ich der Einfachheit wegen mit ACOMAF abkürzen werde. Was mir gleich zu Beginn des Buches entgegen schlug, war eine ganz neue, düstere Atmosphäre, die ich noch nie so erfahren hatte - nein, um ehrlich zu sein, habe ich selten solch ein düsteres Buch gelesen. 
An der Stelle muss ich auch sagen, dass es so einige sehr explizite/erotische Szenen enthält, etwas, mit dem ich nicht gerechnet habe - es hat mich auch nicht weiter gestört, aber nur, damit ihr gewarnt seid. ;)
Feyre ist eine gebrochene Frau. Und Sarah J. Maas beschreibt ihren Charakter so bildhaft, so roh und authentisch, dass es selbst dem Leser schmerzt, zu lesen, wie Feyre wieder und wieder von Tamlin vor den Kopf gestoßen wird. Sie zerbricht, verliert ihre Identität mehr und mehr - ist von nächtlichen Alpträumen geplagt, erbricht sich die Seele aus dem Leib und erleidet Panikattacken, und niemand hilft ihr, weil angenommen wird, sie brauche nur Zeit - ein fataler Fehler.
Ihr erstes Treffen mit Rhysand verläuft noch widerwillig - besonders Tamlin ist wütend über den Handel, den Feyre damals gemacht hat, und sucht nach Auswegen. Als die Situation im Spring Court jedoch eskaliert, wird Feyre geradezu von Rhysand gerettet, und wir lernen erstmalig den Night Court kennen.
Gelinde ausgedrückt: Der Night Court ist so viel mehr als nur ein düsterer Ort, über den in A Court of Thorns and Roses Horrorgeschichten verbreitet wurden. Sarah J. Maas hat nicht an Überlegungen gespart, und kreiert einen malerischen Platz, der vor den Augen des Lesers zum Leben erwacht. In ACOMAF lernen wir außerdem noch den Summer Court kennen - auch dieser bis ins Detail ausgearbeitet und zum Leben erweckt. Maas beweist abermals, wie gut sie dreidimensionale Welten kreieren kann.
Was man jedoch zu ACOMAF anmerken muss, ist, dass es nicht ansatzweise so rasant vor sich geht wie beim Vorgänger. Das Buch ist gesunde 600 Seiten lang, und auch wenn sie nicht vor rasanter Action platzen (was keineswegs schlimm ist!), steht jedes Wort an seinem Platz. Ich habe den Fehler gemacht, pure Action zu erwarten, was mir einen ordentlichen Dämpfer verpasste. (Dennoch habe ich das Buch über alles genossen. Ich muss beide Bände unbedingt noch einmal lesen!) "Spannend" ist das Buch dennoch - denn passieren tut letztendlich einiges, und wir erfahren vor allem, dass Amarantha nur der Anfang war.
Zuletzt noch ein paar Worte zu den Charakteren... dass Feyres Entwicklung unglaublich gelungen ist, auch wenn es mir schier das Herz brach, von ihrem Leid zu lesen, habe ich bereits erwähnt. Aber auch Rhysand ist ein ähnlich gebrochener Charakter: In den 50 Jahren, die er Under The Mountain verbracht hat, musste er ebenfalls unvorstellbare Grausamkeiten erleiden, ganz auf sich gestellt, da ihm der Hass der anderen Courts entgegengebracht wurde.
Aber Rhysand ist so, so viel mehr als nur ein bösartiger High Lord. Jede Neuigkeit über ihn war eine pure Überraschung für mich - Sarah J. Maas hat hier ein wahres Meisterwerk geschaffen. Neben Feyre ist er mein absoluter Favorit; so ein wandlungsfähiger, hingebungsvoller Charakter, der alles für sein Volk tun würde - nein, jemand, der alles für sein Volk tut.
Mit Rhysand kommen auch noch andere Charakter, wie zum Beispiel Mor, seine Cousine, oder auch Azriel und Cassian, die alle ganz besondere Persönlichkeiten sind, die Geschichte rund machen und der düsteren Situation lichte Augenblicke verleihen.
Ihr seht... Sarah. J. Maas did it again. Normalerweise fällt es mir schwer, ein Lieblingsbuch eines Autors auszuwählen (zum Beispiel bei Cassandra Clare), doch dieses Mal kann ich ganz klar sagen: ACOMAF ist vermutlich jetzt schon mein Jahreshighlight, und ganz gewiss mein liebstes Buch von Sarah J. Maas. War ich nach A Court of Thorns and Roses schwer berührt, bin ich es jetzt noch mehr. Es ist mir fast peinlich, das zuzugeben, aber ich habe selten so viel geweint bei einem Buch. A Court of Mist and Fury hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen - auf allen Ebenen.

Fazit
Mit A Court of Mist and Fury hat Sarah J. Maas womöglich ihr (bisher) bestes Buch verfasst. Das Buch ist düster, voller Wendungen und Emotionen, einer unglaublich dramatischen Geschichte, die in einer faszinierend gestalteten Welt spielt - meine uneingeschränkte Empfehlung!


(Obwohl es viel mehr Herzen verdienen würde!)

Titel: A Court of Mist and Fury
Taschenbuch: 626 Seiten
Verlag: Bloomsbury UK
Reihe: 2/3
Preis: ca. 9,50€

Sonntag, 15. Mai 2016

[Rezension] Siege and Storm - Leigh Bardugo

Da es sich hierbei um den zweiten Band einer Trilogie handelt, kann die Rezension Spoiler beinhalten.

Inhalt
Alina und Mal gelang die Flucht, und in einem kleinen Dorf verstecken sie sich vor dem Darkling. Doch sie wissen, dass es so nicht ewig weitergehen kann, dass sie sich nicht ewig verbergen können. Sie sollen recht behalten: Ihre Sicherheit ist begrenzt. Außerdem hat sich nicht nur Alina, sondern auch der Darkling geändert - und die Bedrohung nimmt neue, ungeahnte Ausmaße an.

Meine Meinung
Schon öfters habe ich von "unpopular opions" gelesen. Hier habt ihr eine von mir: Ich kann Mal, Alinas besten Freund/Liebhaber, auf den Tod nicht ausstehen.
Okay, das ist vielleicht etwas hart ausgedrückt. Aber ich mag ihn wirklich, wirklich, wirklich nicht. Ich störe mich an seinem Verhalten. Daran, dass man nie so recht weiß, was in seinem Kopf vorgeht. Seiner Sturheit, seinem Dickkopf. Auch wenn ich fürchte, dass es darauf hinausläuft, will ich wirklich nicht, dass er und Alina füreinander bestimmt sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich damit zu der Minderheit gehöre, aber es ist ein Fakt - schon im ersten Band hat mich die Art und Weise, wie Mal Alina behandelt, schlichtweg gestört. Und auch in Siege and Storm bin ich nicht warm mit ihm geworden.
Dafür bin ich immer noch ein großer Fan von Alina. Gerade, weil sie nicht perfekt ist - weil sie viele Eigenschaften hat, die eben keine Freundlichkeit, keine Wärme ausstrahlen. Außerdem schätze ich an ihr, dass sie wohlbedachte Entscheidungen trifft, Entscheidungen, die von ihren Mitmenschen nicht unbedingt begrüßt werden, die sie aber dennoch für sich rechtfertigt. Dennoch vertritt sie das, was ihr wichtig ist. Generell ist sie eine beeindruckende Kämpfernatur - ihr seht, ich bin sehr froh, ihr als Protagonistin folgen zu dürfen.
Mein heimlicher Liebling, der Darkling (dt.: Dunkler), gehört immer noch zu den grandiosesten Bösewichten aller Zeiten. Ich war ehrlich gesagt traurig, dass er nicht ganz so häufig in Siege and Storm auftaucht, aber seine Auftritte selbst sind wieder einmal grandios gewesen. Seine Magie hat sich verändert - und zehrt von ihm, macht ihn seltsam verletzlich, und gleichzeitig seine Abgründe noch tiefer.
Die ganze Geschichte wird abermals von dem wunderbar simplen, geradezu schlichten Schreibstil von Leigh Bardugo getragen, der das Lesen des Buches zum Vergnügen machte. Ich bin wirklich ein großer Fan von der Art und Weise, wie sie schreibt - auch generell vom Aufbau ihrer Bücher. Sie sind wesentlich kürzer als andere Bücher desselben Genres, und doch fehlt nichts. Bardugo hält sich einfach nicht mit weniger relevanten Dingen auf. Jeder Satz, jedes Wort sitzt an dem richtigen Platz. 
Von dem eigentlichen Plot kann ich nicht sonderlich viel offenbaren, ohne zu viel zu verraten - so viel sei gesagt: zahlreiche Überraschungen, mehr Wendungen, und immer noch habe ich keinen Plan, wie das Ganze enden soll. Leigh Bardugo zeigt außerdem in Siege and Storm, dass sie vor nichts zurückschreckt - eine neue, rohe Brutalität schleicht sich an manchen Stellen ein, die mir eine gesunde Gänsehaut bescherte.
Und bevor ich's vergesse: Chapeau auch für einen Neuankömmling namens Sturmhond - ein Kapitän, der Alina eine helfende Hand anbietet. Sturmhond ist der Charakter, der mit seiner Undurchsichtigkeit nahezu unberechenbar wird - was sind seine Motive, seine wahren Absichten? Gleichzeitig heitert er die sonst eher angespannte Stimmung des Buches auf und brachte mich mehrmals zum Lachen.
Alles in allem ist Siege and Storm ein guter zweiter Band - wie auch sein Vorgänger bin ich nicht von den Socken, aber ich hatte Spaß beim Lesen, und das ist mir genug. ;)

Fazit
Siege and Storm steht seinem Vorgänger in nichts nach. Zugegeben: es hat mir nicht uneingeschränkt gut gefallen, dennoch hatte ich im Großen und Ganzen eine Menge Spaß beim Lesen. Jetzt bin ich gespannt auf den Abschluss der Trilogie! 


Titel: Siege and Storm
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Indigo
Reihe: 2/3
Preis: ca. 9,70€

Sonntag, 1. Mai 2016

[Rezension] Shadow and Bone - Leigh Bardugo

Inhalt
Ihr ganzes Leben lang war Alina nie mehr als eine Kartographin gewesen, an der Seite ihres besten Freundes Mal. Ein Test in ihrer Kindheit hatte sie als Nicht-Grischa deklariert. Dann rettet sie bei einem Überfall Mal auf eine mysteriöse Art und Weise das Leben, und plötzlich steht ihre Welt auf dem Kopf. Denn sie soll eine sagenhafte Sonnenkriegerin, eine unglaublich mächtige Grischa, sein...

Meine Meinung
Shadow and Bone gehört zu den Büchern, die ich eigenständig niemals angerührt hätte. Es war Mara von Cakes and Colors, die mich letzten Endes so neugierig machte, dass ich den ersten Band bestellte. Und so viel sei vorweggenommen: Shadow and Bone war binnen drei Tagen ausgelesen. Den Folgeband bestellte ich direkt hinterher. ;)
Obwohl die Grischa-Trilogie schon verhältnismäßig lange auf dem Markt ist, wurde ich seltsamerweise nie gespoilert. Ich wusste nicht einmal wirklich, um was es in den Büchern ging - lediglich irgendetwas von einer russisch angehauchten Welt hatte ich gehört. Und so konnte ich ohne irgendwelche Erwartungen an das Buch herangehen.
Gleich zu Beginn lernen wir Alina und ihren besten Freund Mal kennen, kurz, bevor der Test durchgeführt wird, der zeigt, ob sie Grischa sind oder nicht. Das erste Kapitel spielt einige Jahre später: Alina ist mittlerweile Kartographin und obwohl sie immer noch in Mal verliebt ist, fürchtet sie, dass sie sich voneinander entfernen.
Alina ist eine tolle Protagonistin. Auch wenn ich nie ganz ihre Zuneigung zu Mal verstehen konnte (was vermutlich an der Kürze des Buches lag oder schlichtweg daran, dass ich nicht jedes Detail aus der Vergangenheit der beiden kenne), so war ich sehr froh, aus ihrer Perspektive zu lesen. Sie ist ein sehr kluges, willensstarkes Mädchen, und ihr Mut hat mich mehrmals beeindruckt. Die Wandlung, die sie im Buch durchläuft - vom Vollwaisen bis hin zu einer mächtigen Grischa - ist beeindruckend.
Mein heimlicher Favorit ist allerdings der Darkling (der Dunkle im Deutschen). Um ehrlich zu sein, gehört er sogar zu den grandiosesten Bösewichten, von denen ich jemals gelesen habe! Anfangs machte er noch einen freundlichen, fast liebenswürdigen Eindruck mit seinem attraktiven, zeitlosen Auftreten und seinem mysteriösen Verhalten und der Art und Weise, wie er sich um Alina kümmerte - aber diese Wendungen erst! Ich will hier gar nicht viel verraten, aber so viel sei gesagt: der Darkling ist ein faszinierend komplexer Antagonist, dessen Motive und Verhaltensweisen mich als Leser wieder und wieder überraschten, und ich bin einfach hoffnungslos begeistert. 
Leigh Bardugos Schreibstil fügt sich gut der Komplexität der Geschichte - er ist relativ schlicht gehalten, wenn auch gespickt mit Wortkreationen wie "Kefta" (ein Gewand), die mich zugegeben manchmal etwas irritierten. Aber ist man einmal in der Geschichte drin, dann auch richtig! Wie gesagt, ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Es ist relativ kurz (etwas über 300 Seiten), und Bardugo hält sich gewiss nicht mit unnötigen Szenen auf. Endlich mal eine Autorin, bei der man das Gefühl hat, dass sie einfach ihre Geschichte erzählt - und nicht mehr als das. Außerdem ist sie eine Meisterin der Wendepunkte. Immer, wenn ich glaubte zu wissen, in welche Richtung die Geschichte geht, bewies sie mir das Gegenteil. Das Ende von Shadow and Bone setzte dem noch die Krone auf. Ich freue mich darauf, weiterzulesen!

Fazit
Shadow and Bone hat mich nicht umgehauen, aber mir dennoch sehr gut gefallen. Besonders die liebevoll ausgearbeiteten Charaktere und der grandios gestaltete Plot haben mich beeindruckt und das Buch zu einem soliden Reihenauftakt gemacht.


Titel: Shadow and Bone
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Indigo
Reihe: 1/3
Preis: ca. 9,70€
Kaufen?


Und wer noch Lust hat, weiterzulesen, hier ist Maras grandiose (und spoilerfreie) Rezension zu der gesamten Reihe.

Sonntag, 24. April 2016

[Rezension] Winter - Marissa Meyer

Da es sich hierbei um den letzten Band einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.
Der Abschnitt "Lunar Chronicles - Resümee" ist jedoch spoilerfrei.

Inhalt
Winter ist wahnsinnig. Seit ihrem dreizehnten Lebensjahr weigert sie sich, ihre Kraft zu benutzen, und wird daher immer kränker, immer konsumierter von Wahnvorstellungen. Dennoch wird sie vom Volk geliebt - was der Königin Levana ein Dorn im Auge ist.
Gleichzeitig versuchen Cinder und ihre Freunde, die Revolution auf Luna zu starten. Aber natürlich versucht Levana alles in ihrer Kraft Stehende, um sie davon abzuhalten...

Meine Meinung
Ich wahr sehr, sehr froh, nach Cress sofort Winter parat zu haben. Gleichzeitig ärgerte es mich, dass sich Winter bereits in meinem Bücherregal befand, denn obwohl es mit über 800 Seiten lockte, wusste ich, dass ich danach Abschied von Cinder, Scarlet, Cress, Winter und ihren Männern nehmen müsste.
Und ich wollte wirklich so einiges, aber nicht Abschied nehmen.
Mit Winter wird das Quartett komplett. Hinzu kommt Prinzessin Winter, die Stieftochter Levanas, die sich weigert, von ihrer Gabe Gebrauch zu machen und deshalb unter Wahnvorstellungen leidet. Nur Jacin, ihre persönliche Wache, ist da, um ihr zu helfen.
Winter ist zwar nicht zu meiner persönlichen Favoritin geworden, dennoch ist sie ein ganz besonderer Charakter. Sie besticht durch ihre Willensstärke, ihre Überzeugung, immer für das Gute zu kämpfen. Sie mag oft fragil erscheinen, besonders, wenn sie unter irgendwelchen Visionen leidet - aber in Wahrheit ist Winter ein sehr starkes Mädchen, das mir mit ihren Taten und Worten öfters eine Gänsehaut beschert hat.
Auch Jacin, der besonders seit Cress präsent ist, ist mir sehr ans Herz gewachsen. (Auch wenn nicht immer klar war, auf welcher Seite er jetzt stand. ;)) Insbesondere die Art und Weise, wie er sich um Winter kümmert und alles tut, um ihr Wohlergehen zu garantieren, ist absolut herzerwärmend. <3
Und was ist in Winter sonst so los? Die Antwort ist offensichtlich: ganz schön viel Action. Ganz schön viel Spannung. Viele "Oh mein Gott!"s. Noch mehr Wendungen.
Winter ist ein Finale im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist genial, wie Marissa Meyer alle Fäden, die sie zuvor ausgeworfen hat, aufnimmt und zu ihrem passenden Ende führt. Es gab Szenen, die mein Herz zum schmerzen brachten, und dann welche, die mein Herz zum schmelzen brachten, und so ziemlich durchlebte ich allerlei Gefühle während dem Lesen dieses Buches.
Ich kann in dieser Rezension eigentlich nichts erwähnen, was mich nicht schon zuvor beeindruckt hat. Marissa Meyer hat eine unglaublich faszinierende, komplexe Welt erschaffen, die bis ins kleinste Detail stimmig ist (allein, wenn man auf die ganzen politischen Führer und Systeme blickt!). Sie hat dreidimensionale Charaktere geschaffen, die man kennen und lieben lernt.
Selbst Cress, mit der ich im Vorgänger noch nicht so gut klar kam, ist zu einem weiteren Liebling geworden. In Winter entwickelt sie ganz schön Biss! Ein kleines, sehr toughes Mädchen. :)
Auch Meyers Plot ist schlichtweg genial. Erst im Nachhinein bemerkt man, wie sie schon von Anfang an alles ins Detail geplant hat, sodass nach über zweitausend Seiten alles zu einem stimmigen Ende kommt. Ihr Schreibstil könnte nicht passender sein - mit kurzen Sätzen, nicht zu blumigen Beschreibungen und, ich wiederhole mich, einfach ganz viel Spannung.
Und bevor ich mit weiteren tausenden Lobsprüchen komme, möchte ich es einfach dabei belassen. Obwohl ich Winter bereits vor einigen Tagen beendet habe, denke ich immer noch an die Charaktere, an die ganze Geschichte, und ich werde so schnell nicht darüber hinwegkommen. Binnen vier Monaten (ich habe Cinder erst im Dezember '15 begonnen!) sind die Luna Chroniken zu einer meiner absoluten Lieblingsreihen geworden. Jedes der vier Bücher wird einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Lunar Chronicles - Resümee
Ich liebe, liebe, liebe diese Reihe und ich kann sie uneingeschränkt empfehlen. Bei Marissa Meyer sitzt jedes Wort, jede Handlung, jeder Gedanke. Die Bücher sind nicht nur viel komplexer, als sie anfangs wirken, sondern auch viel tiefgreifender. Auch meine anfänglichen Sorgen, dass die vielen Protagonisten das ganze Schauspiel viel zu kompliziert machen würden, waren komplett unbegründet. Ich habe keine Ahnung, wie Meyer das macht. Aber sie beherrscht ihr Handwerk verdammt gut.

Fazit
Ganz viel Liebe für Winter. Mehr kann ich dazu nicht sagen.



und noch hundert Extra-Herzen

Titel: Winter
Taschenbuch: 832 Seiten
Verlag: Penguin Books
Reihe: 4/4
Preis: ca. 8,50€