Sonntag, 24. April 2016

[Rezension] Winter - Marissa Meyer

Da es sich hierbei um den letzten Band einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.
Der Abschnitt "Lunar Chronicles - Resümee" ist jedoch spoilerfrei.

Inhalt
Winter ist wahnsinnig. Seit ihrem dreizehnten Lebensjahr weigert sie sich, ihre Kraft zu benutzen, und wird daher immer kränker, immer konsumierter von Wahnvorstellungen. Dennoch wird sie vom Volk geliebt - was der Königin Levana ein Dorn im Auge ist.
Gleichzeitig versuchen Cinder und ihre Freunde, die Revolution auf Luna zu starten. Aber natürlich versucht Levana alles in ihrer Kraft Stehende, um sie davon abzuhalten...

Meine Meinung
Ich wahr sehr, sehr froh, nach Cress sofort Winter parat zu haben. Gleichzeitig ärgerte es mich, dass sich Winter bereits in meinem Bücherregal befand, denn obwohl es mit über 800 Seiten lockte, wusste ich, dass ich danach Abschied von Cinder, Scarlet, Cress, Winter und ihren Männern nehmen müsste.
Und ich wollte wirklich so einiges, aber nicht Abschied nehmen.
Mit Winter wird das Quartett komplett. Hinzu kommt Prinzessin Winter, die Stieftochter Levanas, die sich weigert, von ihrer Gabe Gebrauch zu machen und deshalb unter Wahnvorstellungen leidet. Nur Jacin, ihre persönliche Wache, ist da, um ihr zu helfen.
Winter ist zwar nicht zu meiner persönlichen Favoritin geworden, dennoch ist sie ein ganz besonderer Charakter. Sie besticht durch ihre Willensstärke, ihre Überzeugung, immer für das Gute zu kämpfen. Sie mag oft fragil erscheinen, besonders, wenn sie unter irgendwelchen Visionen leidet - aber in Wahrheit ist Winter ein sehr starkes Mädchen, das mir mit ihren Taten und Worten öfters eine Gänsehaut beschert hat.
Auch Jacin, der besonders seit Cress präsent ist, ist mir sehr ans Herz gewachsen. (Auch wenn nicht immer klar war, auf welcher Seite er jetzt stand. ;)) Insbesondere die Art und Weise, wie er sich um Winter kümmert und alles tut, um ihr Wohlergehen zu garantieren, ist absolut herzerwärmend. <3
Und was ist in Winter sonst so los? Die Antwort ist offensichtlich: ganz schön viel Action. Ganz schön viel Spannung. Viele "Oh mein Gott!"s. Noch mehr Wendungen.
Winter ist ein Finale im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist genial, wie Marissa Meyer alle Fäden, die sie zuvor ausgeworfen hat, aufnimmt und zu ihrem passenden Ende führt. Es gab Szenen, die mein Herz zum schmerzen brachten, und dann welche, die mein Herz zum schmelzen brachten, und so ziemlich durchlebte ich allerlei Gefühle während dem Lesen dieses Buches.
Ich kann in dieser Rezension eigentlich nichts erwähnen, was mich nicht schon zuvor beeindruckt hat. Marissa Meyer hat eine unglaublich faszinierende, komplexe Welt erschaffen, die bis ins kleinste Detail stimmig ist (allein, wenn man auf die ganzen politischen Führer und Systeme blickt!). Sie hat dreidimensionale Charaktere geschaffen, die man kennen und lieben lernt.
Selbst Cress, mit der ich im Vorgänger noch nicht so gut klar kam, ist zu einem weiteren Liebling geworden. In Winter entwickelt sie ganz schön Biss! Ein kleines, sehr toughes Mädchen. :)
Auch Meyers Plot ist schlichtweg genial. Erst im Nachhinein bemerkt man, wie sie schon von Anfang an alles ins Detail geplant hat, sodass nach über zweitausend Seiten alles zu einem stimmigen Ende kommt. Ihr Schreibstil könnte nicht passender sein - mit kurzen Sätzen, nicht zu blumigen Beschreibungen und, ich wiederhole mich, einfach ganz viel Spannung.
Und bevor ich mit weiteren tausenden Lobsprüchen komme, möchte ich es einfach dabei belassen. Obwohl ich Winter bereits vor einigen Tagen beendet habe, denke ich immer noch an die Charaktere, an die ganze Geschichte, und ich werde so schnell nicht darüber hinwegkommen. Binnen vier Monaten (ich habe Cinder erst im Dezember '15 begonnen!) sind die Luna Chroniken zu einer meiner absoluten Lieblingsreihen geworden. Jedes der vier Bücher wird einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Lunar Chronicles - Resümee
Ich liebe, liebe, liebe diese Reihe und ich kann sie uneingeschränkt empfehlen. Bei Marissa Meyer sitzt jedes Wort, jede Handlung, jeder Gedanke. Die Bücher sind nicht nur viel komplexer, als sie anfangs wirken, sondern auch viel tiefgreifender. Auch meine anfänglichen Sorgen, dass die vielen Protagonisten das ganze Schauspiel viel zu kompliziert machen würden, waren komplett unbegründet. Ich habe keine Ahnung, wie Meyer das macht. Aber sie beherrscht ihr Handwerk verdammt gut.

Fazit
Ganz viel Liebe für Winter. Mehr kann ich dazu nicht sagen.



und noch hundert Extra-Herzen

Titel: Winter
Taschenbuch: 832 Seiten
Verlag: Penguin Books
Reihe: 4/4
Preis: ca. 8,50€

Sonntag, 17. April 2016

[Rezension] Cress - Marissa Meyer

Da es sich hierbei um den dritten Band einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Inhalt
Cress hat einen Großteil ihres Lebens auf einem Satelliten mitten im Weltall verbracht. Dabei arbeitet sie als unglaublich begabte Hackerin für Levana, stets unter strenger Aufsicht von Herrin Sybil. Was Sybil aber nicht weiß: Cress hat in der Vergangenheit sogar geholfen, das Raumschiff von Cinder, Thorne, Wolf und Scarlet zu verstecken. Umso größer wird Cress' Aufregung, als die anderen Kontakt mit ihr aufnehmen und sie befreien wollen. Doch dann geht alles schief...

Meine Meinung
Ich habe erst vor Kurzem gelernt, was Murphy's Law bedeutet: Alles, was nur schiefgehen kann, wird schiefgehen.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass Marissa Meyer einen gewissen Grad an Vergnügen dabei empfindet, dieses Gesetz auf ihre Werke anzuwenden. Um es anders auszudrücken: Cinder, Kai, Wolf, Scarlet, Thorne und Cress haben es wirklich nicht einfach. Jeder Vorstoß, den sie wagen, scheint doppelt abgewehrt zu werden. Wieder und wieder finden sie sich vor scheinbar unüberwindbaren Hindernissen.
In Cress wird der Leser nach Afrika geführt, an den Ort, wo Letumosis (ich meine, Letumose wird es im Deutschen genannt?) überhaupt erst ausbrach. Generell zeigt Meyer abermals, wie gut sie ihre Welt beherrscht. Das ist mein voller Ernst: würde man mich fragen, was die Lunar Chronicles so besonders macht, dann würde ich vermutlich mit "der Welt" antworten. Es ist nicht so, dass alles komplett anders ist - aber es ist einfach so realistisch gestaltet und so fein ausgearbeitet worden, dass es mich jedes Mal wieder beeindruckt.
Zugegeben: Cress ist nicht mein Lieblingsband der Reihe. Warum? Es liegt an der lieben Cress höchstpersönlich. Ich verstehe, dass die vielen Jahre eingeschlossen im Satelliten nicht gerade soziale Kontakte ermöglichen, aber das trug nicht dazu bei, meine Sympathie zu erwecken. Natürlich hatte ich Mitleid mit dem Mädchen. Natürlich war ich beeindruckt von ihren Fähigkeiten. Aber dann begann sie wieder mit ihren Schwärmereien über Thorne, den sie bisher nur aus der Ferne gestalkt hatte, und ich kam nicht umhin, die Augen zu verdrehen.
Apropos Thorne. Captain Carswell Thorne ist wohl so ziemlich der Charakter, der mich in den ganzen Büchern bisher am meisten überrascht hat. Als er erstmals in Scarlet auftauchte, war ich nicht der größte Fan. In Cress lernen wir ihn allerdings viel besser kennen (und lieben, wenn es nach mir geht). Erstmals kann man hinter die Fassade sehen, die er so sorgfältig mit seinem Sarkasmus aufbaut, und vor allem lernt man so einiges über sein Selbstbild. Ich hätte ihn öfters mal sehr, sehr gerne in den Arm genommen.
Was die anderen Charaktere anbetrifft... ich glaube, ich habe es schon in meiner Rezension zu Scarlet erwähnt, wie unglaublich beeindruckend ich Meyers Fähigkeit finde, die Charaktere zu jonglieren. Keiner kommt zu kurz (außer die, die grad... unpässlich sind - ihr wisst schon, Murphy's Law), jeder hat ausreichend Raum für sich, seine Geschichte und die Möglichkeit, sich zu entwickeln. (So viel sei schon mal gesagt: ich lese gerade Winter, und da kommt der ganze Drahtseilakt zu seinem Höhepunkt. Genial!!) 
Auch die Spannung kommt in Cress nicht zu kurz. Zugegeben: einen knallharten Einstieg wie bei Scarlet gibt es nicht. Die Handlung ist am Anfang zumindest gemäßigter, ehe sie wieder an Fahrt aufnimmt. Ich konnte das Buch wirklich, wirklich nicht weglegen - obwohl ich eigentlich zu lernen hatte. Begierig las ich Kapitel um Kapitel, musste herausfinden, wie es mit den Charakteren weiterging.
Mein Lieblingspaar ist, ganz ehrlich, immer noch Cinder und Kai. Ich bin vor allem froh, dass letzterer in Cress wieder etwas präsenter ist. Aber auch Thorne (und somit auch Cress) hat einen Platz in meinem Herzen gewonnen.
Alles in allem - was soll ich sagen? Chapeau für Cress. Aber wen überrascht das schon?

Fazit
Cress ist ein grandioser dritter Band. Er hat mir nicht ganz so gut wie seine Vorgänger gefallen, aber das liegt lediglich an Cress selbst - außerdem befinden wir uns bei den Lunar Chronicles auf einem unglaublich hohem Niveau. Von daher... auf zu Winter!


Titel: Cress
Taschenbuch: 552 Seiten
Verlag: Penguin Books
Reihe: 3/4
Preis: ca. 9,20€

Sonntag, 10. April 2016

[Rezension] All the Bright Places - Jennifer Niven

Inhalt
Finch und Violet treffen sich erstmalig auf dem Glockenturm ihrer Schule, beide an das Geländer geklammert, beide überlegen, ob sie nicht springen sollen. Finch rettet Violet, die daraufhin nicht mehr aus seinen Gedanken verschwindet. Aufgrund eines gemeinsamen Geographie-Projekts lernen sich die beiden besser kennen... aber ist es genug, um wieder die schönen Seiten des Lebens zu sehen?

Meine Meinung
All the Bright Places ist eines dieser Bücher, das ich seit einer gefühlten Ewigkeit aus dem Augenwinkel beobachtet hatte, bei dem ich mich aber nie durchringen konnte, es endlich zu bestellen. Mit der Zeit wuchsen meine Erwartungen - und auch meine Neugier, zugegeben.
Das Buch erwies sich als ambivalent: es entsprach meinen Erwartungen und doch irgendwie nicht. Auf jeden Fall ist es zu einem Buch geworden, das mir nachhaltig in Erinnerung bleiben wird - zusammen mit seinen zahlreichen Widersprüchen.
Finch und Violet, so ähnlich sie auch wirken mögen, als sie auf dem Turm stehen, sind im Grunde genommen komplett verschiedene Charaktere. Finch hatte eine harte Vergangenheit: seine Eltern sind geschieden, sein Vater gewalttätig, seine Mutter komplett passiv. Manchmal geht er wochenlang nicht zur Schule, wenn er Asleep ist, und seine Schwester gibt sich als Mutter aus, entschuldigt ihn. Er erforscht verschiedene Arten zu sterben, notiert sie und ihre Nachteile. Finch ist hochintelligent und gleichzeitig nah am Abgrund. Von seinen Mitschülern wird er Freak genannt.
Violet hatte eine wohlbehütete Kindheit mit zwei liebenden Eltern. Zusammen mit ihrer Schwester führte sie einen Blog. Dann aber starb ihre Schwester bei einem Unfall, den Violet überlebte, und seitdem ist alles anders. Sie traut sich nicht mehr, im Auto mitzufahren, kappt alte Beziehungen, zieht sich mehr zurück.
Das, was dann entsteht, erscheint zuerst wie eine dieser typischen Geschichten, die uns aus Büchern wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter, The Perks of Being a Wallflower und Co. bekannt sind: viele Zitate. Viele, oftmals zusammenhanglose, Dialoge und Aktionen, die niemand von uns jemals machen würde. 
Ich weiß nicht, ob es an einer simplen Übersättigung lag - aber bei All the Bright Places war ich erstmals genervt. Finch und Violet schickten sich Unmengen an Zitaten hin und her, irgendwelche Wörter, die an Bedeutsamkeit gewinnen sollten. Das Problem war, dass es für mich nichts bedeutete.
Noch mehr Probleme hatte ich allerdings mit Finchs Perspektive: so heroisch und berührend seine Handlungen auch gewesen sein mochten, die Art und Weise, in der von ihm erzählt wurde, machte alles zunichte. Ich hätte genauso gut einen Bericht über irgendwelche Aktien lesen können.
Mit Violet kam ich besser klar - auch wenn ich sie nicht unbedingt lieber mochte. Gerade zu Beginn des Werkes war sie noch stark von Vorteilen geprägt, erpicht darauf, nicht mit Finch gesehen zu werden.
Aber Jennifer Niven bewies, dass sie auch anders kann. Nach über der Hälfte des Buches schien sich das Blatt zu wenden - ob ich schlichtweg so lange gebraucht hatte, um warm zu werden, oder ob Niven so lange brauchte, um warm zu werden, weiß ich nicht. Vielleicht lag es auch daran, dass die Beziehung zwischen Violet und Finch endlich wärmer wurde. Und damit meine ich nicht die Liebesbeziehung. Ich meine, dass Violet lernte, Finch zu verstehen, und dass ich lernte, Finch zu verstehen, und das verlieh der Geschichte - vor allem im Nachhinein - eine Menge Tiefe.
Leider wurde ich bezüglich des Endes gespoilert - ich hatte nur "Glück", dass ich ausnahmsweise erraten hatte, wie es ausgehen würde. Geweint habe ich dennoch, auch wenn ich mit All the Bright Places keine reibungslose Beziehung hatte. Wenn man einmal verstanden hat, was Jennifer Niven erzählen will, dann wird das Buch wirklich um einiges bedeutsamer.
Da sowohl Finch und Violet mit Depressionen kämpfen, hat das Buch viel mit mentaler Gesundheit zu tun - allerdings nicht so, wie man es in unserem aufgeklärten Zeitalter vermuten würde. Erst im Verlaufe des Buches realisiert man, mit welcher Ignoranz die Gesundheitszustände der beiden Protagonisten behandelt werden, und diese Erkenntnis ist sehr bedeutsam. Bei Niven hat man vor allem nicht das Gefühl, dass irgendetwas beschönigt oder verfälscht wird, sie geht sehr realistisch mit dem Ganzen um. Und genau aus all diesen Gründen werde ich All the Bright Places sicher nie vergessen.

Spoiler-Gedanken
Da ich zu dem Buch einige Gedanken habe, die um einiges tiefer gehen, dachte ich mir, ausnahmsweise eine neue Kategorie aufzumachen. Vielleicht sind ja ein paar unter euch, die das Buch schon gelesen haben, oder jemand, dem Spoiler nichts ausmachen.
Was mich letztendlich dazu bewegt hat, das Buch nicht einfach als "Fail" abzustempeln, war Finch - Finch, mit dem ich anfangs so gar nicht klar kam. Ausschlaggebend war sein Suizid. Erst in diesem Moment - bzw. als er klar wurde, was passieren würde / musste - bemerkte ich als Leserin die versteckten Hinweise. Finchs ganzes Handeln war ein Hilfeschrei - nur hörte niemand zu. Seine Mutter war absolut passiv (vielleicht ein wenig überspitzt dargestellt, aber die Ignoranz ist leider oft genug vorhanden), seine ältere Schwester nahm sein Verhalten hin, und in der Schule wurde er nur weiter gequält. Selbst als er die Überdosis Tabletten nahm, reagierte niemand. Violet ist die Erste, die die Zeichen wahr/ernst nimmt und zu ihren Eltern geht. Dann: der fatale Fehler. Der Punkt, in dem das Buch mir wirklich das Herz brach. Finchs Eltern wurden kontaktiert, aber da sich nie jemand Mühe machte, ihm zuzuhören... wurde damit sein Ende besiegelt.
Das Ding ist, Depressionen kann man unter Kontrolle kriegen. Aber man muss zuhören. Ich glaube, das ist eines der Dinge, die Jennifer Niven ausdrücken wollte, und zwar auf ihre subtile Art und Weise, und das ist ihr grandios gelungen. (Vermutlich auch, weil sie leider selber Erfahrungen mit dem Thema machen musste.)

Fazit
Mit All the Bright Places hatte ich anfangs so meine Probleme. Als ich jedoch endlich begriff, was Jennifer Niven erzählen wollte, veränderte sich mein Blick auf die Geschichte - definitiv eines der Bücher, das ich nicht so schnell vergessen werde.


Titel: All the Bright Places
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Penguin Books
Reihe: -
Preis: ca. 9,60€
Kaufen?


All the Broken Places ist auch auf Deutsch im Limes Verlag unter dem Titel All die verdammt perfekten Tage erschienen.

Sonntag, 3. April 2016

[Rezension] These Broken Stars - Amie Kaufman und Meagan Spooner

Verzeiht, wenn die Rezension an manchen Stellen etwas konfus ist. Ich glaube, ich bin an dem (zweiten) Prä-Abi-Tief angekommen, und alles, an was ich denke, ist "müde - Kaffee - müde". Also... ;)

Inhalt
Tarver und Lilac könnten nicht aus verschiedeneren Welten entstammen: Tarver, der Kriegsheld, und Lilac, vermutlich das reichste Mädchen im Universum. Sie befinden sich beide auf der Icarus, dem größten und extravagantesten Raumschiff, das jemals existierte, als es passiert: die Icarus stürzt ab. Die beiden können sich retten, erleiden Schiffsbruch auf einem fremden Planeten. Bald stellen sich zwei Dinge heraus: sie sind allein auf diesem mysteriösen Planeten bis auf seltsame Stimmen, Pflanzen und Tiere - und kein anderer Passagier hat überlebt.

Meine Meinung
These Broken Stars war ein absoluter hübsches-Cover-muss-lesen-Fall. Im Ernst. Ich habe dieses Buch bestimmt schon seit einigen Monaten angeschielt. Den Inhalt habe ich gepflegt ignoriert. Halt irgendwas von wegen Weltraum und Romanze.
Hmmmm. Sagen wir es so: ich lag ein wenig daneben. Und ich befürchtete schon, einen absoluten Fehlgriff getätigt zu haben.
Ich bin nicht der größte Science Fiction Fan. Und sobald mehr als ein Autor auf dem Cover steht, werde ich skeptisch, weil ich eben eine gemeine, nicht immer ganz von Vorurteilen verschonte Buchbloggerin bin. Als ich das Buch dann erst mal aufschlug, merkte ich schnell: uff, ganz schön abgedreht hier. Und oh mein Gott, wir befinden uns ja auf einem Raumschiff.
Allerdings muss ich einwenden, dass ich die Godspeed-Reihe ja trotz Science Fiction geliebt habe. Und ich bin so ziemlich die letze Person, die ein Buch abbricht, also blieb ich tapfer.
Warm wurde ich trotzdem nicht sofort mit dem Roman. Es wird sowohl aus Tarvers als auch aus Lilacs Perspektive erzählt, und ich kam mit keinem der beiden so wirklich klar. Ich mochte Tarver schon irgendwie, und Lilac fand ich auch okay - aber sie waren jetzt keine Charaktere, bei denen ich die Hände zusammenschlagen und "Bravo!" schreien würde. Zumindest nicht am Anfang.
Denn die Geschichte nimmt ja eine ganz schöne Wendung. Und damit meine ich nicht den Unfall und das Landen auf dem fremden Planeten. Das dauert nämlich seine Zeit, und irgendwann war die Hälfte des Buches gelesen und ich fragte mich, wohin das Ganze noch führen sollte - ich hatte wirklich nicht den geringsten Plan. 
Es ging übrigens nicht nur mir so! Lilac und Tarver lebten auch von Tag und Tag, weil sie genauso wie ich keinen Plan hatten. Charaktere sind ja nicht unfehlbar. Aber das sprach gerade nicht für die Spannung des Buches.
Das ganze Konstrukt wurde aber noch viel abgedrehter, als (ganz leichter Spoiler!) Lilac begann, Stimmen zu hören und zu "halluzinieren" (Spoiler-Ende). Ich war verwirrt, die beiden waren verwirrt oder versuchten zu ignorieren, was geschah - es war alles sehr kryptisch.
Das Problem war einfach, dass es sehr lange dauerte, bis ich etwas Handfestes bekam. Bis es konkrete Informationen gab, die nicht nur aus Bruchstücken bestanden, die uns allen (mir, Tarver und Lilac) Spanisch vorkamen. 
Aber dann... nach den ungefähr zweihundert Seiten, dann ging es aber los. Und wie! Ich weiß nicht, ob Spooner und Kaufman bis dahin selbst etwas ratlos waren und plötzlich eine Erleuchtung hatten - aber verdammt, so eine Wendung habe seit dem letzten Teil der Bestimmung nicht mehr erlebt! Ehe ich mich versah, saß ich vor dem Buch und sagte Dinge wie "Nein, nein, nein" und fluchte ununterbrochen. Ich war eine Mischung aus Entsetzen und Erstaunen.
Das waren nicht die einzigen Wendungen. Es ging so weiter. Bis zur letzten Seite des Buches, das mich übrigens sehr unbefriedigt zurückgelassen hat. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass der zweite Teil von einem anderen Pärchen handelt und wir Tarver und Lilac erst im dritten Band wieder sehen, war es wirklich... zu offen. Nicht wirklich offen, weil es in sich abgeschlossen war, aber weil man einfach wusste, dass es noch mehr geben muss.
Ich glaube, das Problem and These Broken Stars ist schlichtweg, dass 90% des Buches nur zwei Protagonisten gezeigt werden. Keine anderen Personen. Und jeder, der schon mal geschrieben hat, weiß, dass Nebencharaktere einfach unabdinglich sind. Wenn man diesen Aspekt miteinbezieht, dann ist die Leistung der Autorinnen durchaus beeindruckend. Auch wenn der Anfang zäh ist und die Idee einfach zu undurchsichtig, so hat die Geschichte dennoch Potential - vor allem im größeren Zusammenhang (ja, es gibt noch etwas Größeres als einen fremden, ominösen Planet ;)).
Die Liebesgeschichte zwischen Tarver und Lilac ist übrigens beeindruckend nicht-kitschig. Sie ist nicht originell, aber gut erzählt. Anfangs rebelliert Lilac und Tarver glaubt, ihr zwecks Pflichtgefühl helfen zu müssen, woraus sich langsam mehr entwickelt. Da ist kein bisschen Kitsch dran, und sie ist so gelungen, dass mir stellenweise die Tränen kamen, und glaubt mir, ich hatte alles, außer das erwartet. 
Und für alle unter euch, die nicht auf Englisch lesen wollen/können: These Broken Stars erscheint im Mai bei Carlsen!

Fazit
Ich hatte mit These Broken Stars meine Anfangsschwierigkeiten. Kaufman und Spooner sind allerdings gut darin, Leserherzen zu brechen. Und darin, Schnappatmung zu verursachen. ;) Wer bereit ist, einen langsameren Anfang und viel Verwirrung hinzunehmen, der wird (besonders als Science Fiction Liebhaber) auf seine Kosten kommen!


Titel: These Broken Stars
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Hyperion
Reihe: 1/3
Preis: ca. 8,80€
Kaufen?
Titel: These Broken Stars - Lilac und Tarver
Hardcover: 480 Seiten
Verlag: Carlsen
Reihe: 1/3
Preis: 19,99€

Donnerstag, 24. März 2016

[Rezension] Lady Midnight - Cassandra Clare

Inhalt
Emma Carstairs ist eine Schattenjägerin. Und sie ist fest entschlossen, den Mörder ihrer Eltern zu finden. Als zahlreiche, teilweise verstümmelte Leichen in Los Angeles auftauchen, eröffnet sich eine heiße Spur. Aber dahinter steckt noch viel mehr - eine größere Verschwörung. Die Sache verkompliziert sich, als sie feststellt, dass sie Gefühle für Julian, ihren Parabatai entwickelt, etwas, das auf gar keinen Fall geschehen darf.

Meine Meinung
Ohhh, wie lange haben wir nur darauf gewartet, endlich ein neues Buch von Cassandra Clare in den Händen zu halten! Oder, um genau zu sein, den Auftakt zu einer neuen Reihe!
Lady Midnight spielt 2012, also nach den Ereignissen rund um Jace und Clary. Wir treffen auf eine neue Generation von Schattenjägern, geprägt von dem Cold Peace, der unter anderem Kontakt zu Feen verbietet und sogar Julians Schwester Helen ins Exil geschickt hat. Die Situation trägt von Anfang an eine leichte Spannung mit sich - der Frieden ist fragil, und viele Schattenjäger halten nichts von den Regeln.
Emma Carstairs ist ein Waise. Ihre Eltern kamen vor vielen Jahren in dem Kampf mit Sebastian um, ihre Körper mit komischen Schriftzeichen überzogen. Doch Emma hat noch nie geglaubt, dass sie von Sebastians Hand getötet wurden, und ergreift von daher jede Möglichkeit, das Gegenteil zu beweisen.
Dann ist da Julian Blackthorn - Emmas Parabatai und noch dazu ein Junge, der zu früh erwachsen werden musste. Da seine Eltern ebenfalls tot sind und er nur noch einen Onkel hat, der gesundheitlich stark eingeschränkt ist, hat er mit zwölf Jahren angefangen, für seine vier (seiner sechs) Geschwister zu sorgen. 
Ihr seht schon - beide Charaktere haben etwas an sich, weswegen man sie einfach ins Herz schließen muss. Und wenn es nach mir ginge, würde ich jetzt noch den ganzen Rest aufzählen, weil Cassandra Clare dieses Mal ein ganz besonderes Meisterwerk an Charakteren geschaffen hat. Aber, um es kurz zu halten - sehr begeistert war ich außerdem von Cristina, die ursprünglich aus Spanien kommt, Mark, der Blackthorn Bruder, der von der Wild Hunt aufgenommen wurde, und Ty, einer von Julians Brüdern - ein Junge, der trotz seinen dreizehn Jahren sehr schnell verschreckt ist und fragil wirkt, gleichzeitig aber eine unglaubliche Intelligenz mit sich bringt.
Wie bereits erwähnt - dieses Mal hat sich Clare selbst übertroffen. Jeder einzelne Charakter im Buch hat etwas Einzigartiges an sich und trägt zu der Diversität bei, fügt sich geschickt in das ganze Beziehungsgeflecht ein.
Ein zentrales Thema im Buch ist natürlich auch die Beziehung zwischen Jules und Emma, eine Liebe zwischen zwei Parabatai, die verboten ist, die grausamste Strafen mit sich bringen kann. Anhand einiger Szenen merkt man, dass Cassandra Clare auch als Autorin Fortschritte gemacht hat - die Emotionen fließen förmlich aus den Seiten, schön, unschön, der Zwist zwischen dem, was Emma und Julian wollen und was sie nicht dürfen.
Da macht es auch nichts, dass Lady Midnight ein paar Startschwierigkeiten hat. Wer Action von der ersten Seite an erwartet, ist leider falsch - gute 100 bis 200 Seiten dauert es, bis die Geschichte so richtig an Fahrt aufgenommen hat. Aber generell ist Lady Midnight eher ein ruhiger gehaltenes Buch, was das Lesevergnügen jedoch nicht mindert. Es brachte mich dazu, sehnsüchtig darauf zu warten, bis ich endlich daheim war und weiter lesen konnte. Das Buch lebt einfach von seinen Charakteren - und das funktioniert grandios, wie Cassandra Clare beweist.
Ich finde es außerdem wichtig zu erwähnen, dass Lady Midnight kein Versuch ist, die Schattenjäger-Welt auszuschlachten. Nur weil Clare viel über Schattenjäger schreibt, ist das noch lange nichts Schlimmes - mit jeder ihrer Reihen hat sie bisher bewiesen, dass sie vor Ideen nur so strotzt. 
Außerdem: es ist unglaublich cool, von Clary und Jace, Jem und Tessa zu lesen. Und noch ein paar anderen. Man erwischt sich beim Grinsen - und freut sich, diese "alten Bekannten" wiederzusehen. Eigentlich ist Lady Midnight ein Buch, das sich nach Heimat anfühlt - zumindest wenn man, wie ich, mit City of Bones großgeworden ist.

Fazit
Es wäre falsch, Lady Midnight als etwas anderes als schlichtweg ein Meisterwerk zu bezeichnen. Cassandra Clare macht die Rückkehr in die Welt der Schattenjäger zu einem einzigen Vergnügen.


Titel: Lady Midnight
Hardcover: 720 Seiten
Verlag: Simon & Schuster
Reihe: 1/3
Preis: ca. 20€