Samstag, 18. Juni 2016

[Rezension] Was ich euch nicht erzählte - Celeste Ng

Inhalt
Lydia ist tot, ihre Familie aus ihrer geordneten Welt gerissen. Plötzlich sind da Geheimnisse, eine tote Tochter, die niemand wirklich kannte. Und noch viele andere Dinge, über die nie gesprochen wurde - und die Celste Ng in einem Familienporträt darstellt.

Zitat
"Lydia ist tot. Aber das wissen sie noch nicht."
(aus: Was ich euch nicht erzählte, Celeste Ng)

Meine Meinung
Ich bin eigentlich eine Routine-Leserin. Ich lese das, was ich kenne. Die Genres, mit denen ich schon seit Jahren vertraut bin. Und hin und wieder - aber keine fünf Bücher im Jahr - auch mal einen Thriller. Einen Krimi, wenn ich ganz exotisch drauf bin.
In letzter Zeit hat sich das Ganze ein wenig geändert. Ich habe meine ersten Klassiker außerhalb der Schule gelesen. Und als ich vor kurzem über eine Lovelybooks-Leserunde zu Was ich euch nicht erzählte stolperte, war ich bereits schwer begeistert von der Idee des Buches. Und das, obwohl es "nur" von der Familie Lee handelt.
Das ist auch ein Aspekt, den ich gleich zu Anfang loszuwerden möchte. Man darf hier keine packende, chronologische Geschichte erwarten. Das braucht dieses Buch auch gar nicht. Stattdessen bekommt man Fragmente, sowohl aus der Gegenwart - nach Lydias Verschwinden/Tod - und aus den Jahren/Jahrzehnten davor. Stück für Stück entwirrt sich die Geschichte der Familie, die so zerrissen ist.
Da ist Marilyn Lee, eine Frau, die eigentlich Ärztin werden wollte. Doch die Steine, die ihr in den Weg gelegt wurden, waren zu groß, und so entschied sie sich, ihre Hoffnungen auf ihre Tochter Lydia zu projizieren.
Da ist James Lee, der seit jüngster Kindheit gegen Anfeindungen aufgrund seiner chinesischen Abstammung kämpfen musste, und irgendwann einfach aufgegeben hat.
Da ist Nath Lee, der in dem Schatten seiner Schwester leben musste. Der irgendwann nicht mehr die Kraft hatte, Trost zu spenden, die Nebenrolle zu spielen.
Da ist Hannah Lee, der Sprössling, die nach Liebe lechzt, die ihr niemand geben kann.
Und dann ist da Lydia. Ein Mädchen, das niemand so recht kannte.
Das hier sind alles oberflächliche Beschreibungen. Die Wahrheit, beinahe die Grausamkeit dieser Familiengeschichte geht noch viel tiefer. Umso mehr ich erfuhr, desto schockierter war ich. Ich wollte James und Marilyn schütteln. Ich wollte die Kinder in die Arme nehmen. Ich hatte das Gefühl, Zuschauerin zu sein bei einer Familie, die auf den Abgrund zusteuert und nicht ans Abbremsen denkt.
Projektion, Rassismus, Liebe - alles sehr präsente Themen, die Celeste Ng in Was ich euch nicht erzählte anspricht. Nie belehrend, nie laut, immer sehr sanft und subtil - was nur dafür sorgte, dass meine eigenen Gedanken sich umso mehr drehten.
Und dann ist da noch der Schreibstil. Obwohl es sich hierbei um ihren Debütroman handelt, könnte man meinen, dass Celeste Ng schon ihr Leben lang schreibt. Ich wollte jedes Wort, jeden Satz auskotzen, als wäre er ein wertvoller Schatz - am liebsten würde ich das Buch noch einmal lesen, und dann noch mal, bei jedem Durchgang ein weiteres Wortfragment entdecken, das sich genau am richtigen Platz findet.
Während des ganzen Romans schwebt die Frage Wer hat Lydia getötet? im Raum. Die Auflösung, ebenso subtil wie der Rest der Geschichte, ist schlichtweg schockierend. Nicht unbedingt überraschend, aber irgendwie doch.
Auf jeden Fall hat sie, wie der Rest des Buches, mich mitten ins Herz getroffen.
Ein Buch, das man gelesen haben muss. Auch wenn man sich, wie ich, dabei in unbekannte Gewässer vortastet.

Fazit
Mit Was ich euch nicht erzählte hat Celeste Ng ein beeindruckendes Debüt geschaffen. Mit unglaublicher Feinfühligkeit konstruiert sie Stück für Stück die Geschichte der Familie Lee. Ein Buch, das berührt und auch nach der letzten Seite noch lange im Gedächtnis bleibt.


Vielen Dank an Lovelybooks und dtv für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Was ich euch nicht erzählte
Hardcover: 288 Seiten
Verlag: dtv
Reihe: -
Preis: 19,90€

Dienstag, 14. Juni 2016

[Rezension] Die Auslese: Nichts vergessen und nie vergeben - Joelle Charbonneau

Da es sich hierbei um den zweiten Band einer Trilogie handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Inhalt
Cia erinnert sich nicht an die Auslese. Doch sie besitzt Aufnahmen - Aufnahmen, in welchen sie selbst von grausamen Dingen erzählt, die vorgefallen sind. Aber sie hat überlebt, ist endlich an der Universität. Die Dinge müssen sich jetzt doch ändern, oder? Cia soll hier nicht Recht behalten. Schon bald sterben erste Studenten, und sie stellt fest, dass die Auslese nicht vorbei ist. Dass sie immer noch um ihr Leben kämpfen muss - und das der anderen Studenten, die nach ihr kommen werden.

Meine Meinung
Es ist über zwei Jahre her, seitdem ich zuletzt von Cia gelesen habe. Ich war damals schwer begeistert von dem Auftakt der Trilogie, und habe doch nie weitergelesen. Nach einer Weile stellten sich Zweifel ein. Würde ich überhaupt noch zurück in Cias Welt finden?
Die simple Antwort: Ja.
Auch wenn man sich nicht an alle Details des Vorgängers erinnert, hat man keine Schwierigkeiten, den Ereignissen in Die Auslese: Nichts vergessen und nie vergeben zu folgen. Joelle Charbonneau streut geschickt Erinnerungsfetzen ein, die es mir ermöglichten, mir ein umfangreiches Bild zu machen. Und so stand meinem Lesevergnügen nichts mehr im Wege.
Zumindest nicht viel. Was ich zuallererst anmerken muss: Joelle Charbonneaus Schreibstil ist einfach fantastisch. Nicht wegen der Komplexität der Satzkonstrukte, sondern schlicht und ergreifend die Art und Weise, wie sie erzählt. Irgendetwas an ihrem Stil, das mich immer wieder fasziniert, kreiert eine unglaubliche Spannung. Auch bei Passagen, die nicht so actionreich waren, flogen meine Augen förmlich über die Seiten. Hätte ich etwas mehr Zeit gehabt, hätte ich das Buch locker in einem Tag ausgelesen. Wer also Lust auf ein zügig zu lesendes, unterhaltendes Buch hat, ist hier definitiv richtig!
Obwohl jetzt alles gut sein sollte, ist Cia immer noch zwiegespalten. Kann sie ihren Kommilitonen trauen? Wollen die Professoren wirklich nur ihr Bestes, oder gehört sie zu denen, die die Universität "verlassen" müssen?
Um ehrlich zu sein, kam ich mit Cia in diesem Band weniger gut klar. Im Gegensatz zum Vorgänger machte sie fast den Eindruck, als sei sie ängstlicher. Gebrandmarkt, auch wenn sie sich an nichts erinnern kann. Vor allem ist sie sehr unentschlossen, flüchtet sich mehr und mehr in ihre Beziehung mit Tomas. Vielleicht handelt es sich dabei um unterbewusste Folgen von der Auslese. Mich hat es jedenfalls etwas gestört, gerade diese ständige Unentschlossenheit und die Wechselhaftigkeit ihres Charakters, als sie sich dann in manchen Situationen wieder als starke Anführerin zeigt. Ich muss allerdings hinzufügen, dass Cia selbst sich ebenfalls so betrachtet - und sich zumindest gegen Ende des Buches bessert.
Was ich von Tomas halten soll, weiß ich auch immer noch nicht. Gerade in diesem Band ist er relativ selten präsent, was daran liegt, dass er [kleiner Spoiler, für die, die es stört!] und Cia andere Studienfächer zugewiesen bekommen haben. 
Ich persönlich traue ihm (immer noch) nicht. Das mag sich vielleicht in die eine oder in die andere Richtung entwickeln - vielleicht aber bin ich auch nur vorgelastet von anderen Büchern. ;) (Wobei ich an Tris und Co. denke.)
Aber die Nebencharaktere... die sind meiner Meinung nach sehr gut gelungen! Obwohl es wirklich eine Menge Menschen in Cias Umfeld gibt, die für die Geschichte relevant sind, werden sie nie zu einer Einheitsmasse. Da ist zum Beispiel Will, den wir noch aus der Auslese kennen. Dann aber gibt es Neulinge wie Enzo, der unglaublich intelligent ist und sich ebenfalls etwas von den anderen abgrenzt, und Damone, der eine starke Abneigung gegen Cia hegt. Sie bringen das Ganze erst so richtig zum Leben. Hier hat Charbonneau sehr gute Arbeit geleistet.
Auch storytechnisch hat dieser Band so einiges in sich. Während anfangs noch alles recht voraussehbar ist, wird die Geschichte zunehmend verdrehter und schwerer zu durchschauen. Die Autorin hat auch hin und wieder mehr Informationen über die Welt, zum Beispiel über die sieben Stadien des Krieges, eingestreut, was mir sehr gut gefallen hat, da ich die Informationslosigkeit am Vorgängerband noch kritisierte.
Und das Ende erst! Brutal, plötzlich und vollkommen unerwartet. Ich hatte kaum Zeit, schockiert zu sein, da war ich bereits an der letzten Seite angelangt und fassungslos, wie Joelle Charbonneau mir das "antun" konnte.
Was klar ist: Dieses Mal werde ich sicher nicht so lange warten, bis ich zum nächsten Band greife. ;)

Fazit
Die Auslese: Nichts vergessen und nie vergeben ist nicht ganz so stark wie sein Vorgänger, aber dennoch ein solider zweiter Band, der Lust darauf macht, die Reihe weiterhin zu verfolgen. Joelle Charbonneau kreiert mit ihrem Schreibtalent und einem umfassenden Charakternetzwerk eine rasante Geschichte, die vor Wendungen und Spannung nur so strotzt.


Vielen Dank an Blanvalet für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Titel: Die Auslese: Nichts vergessen und nie vergeben
Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Blanvalet
Reihe: 2/3
Preis: 9,99€

Sonntag, 5. Juni 2016

[Kurzrezension] Lord Arthur Saviles Verbrechen, das absolut nichts mit Jessicas Geist zutun hat

Jessica's Ghost - Andrew Norriss
Worum geht's?
Francis ist alleine auf dem Schulhof, als er zum ersten Mal auf Jessica trifft. Zum Glück, denn sonst würden sich seine Mitschüler wundern, mit dem er dort redet. Denn Jessica ist ein Geist, vor einem guten Jahr gestorben - und Francis ist der Einzige, der sie sehen kann...
Meine Meinung
Bei dem Versuch, endlich mal wieder ein deutschsprachiges Buch zu kaufen, landete ich abermals bei den englischen Büchern. Ich kaufe selten Bücher, von denen ich vorher noch nie etwas gehört habe, aber bei Jessica's Ghost konnte ich nicht widerstehen. Das Buch war keine dreihundert Seiten dick, und die Geschichte versprach einen kurzweiligen Jugendroman - genau das, was ich wollte.
Und nichts anderes erhielt ich. Eine süße, wenn auch stellenweise leicht oberflächliche Geschichte über mentale Gesundheit und die Bedeutung von Freundschaft. Andrew Norriss hält sich nicht mit langen Beschreibungen auf, der Schreibstil ist knapp und die Geschichte kommt auf den Punkt. Zu Tränen wird man hier nicht gerührt, aber dafür gut für drei, vier Stunden unterhalten.
Taschenbuch / 253 Seiten / David Fickling Books / Kaufen?


Lord Arthur Savile's Crime - Oscar Wilde
Worum geht's?
Lord Arthur Savile erhofft sich nichts als eine nette Vorhersage des Wahrsagers, der seine Lebenslinien liest, doch stattdessen wird ihm ein Mord vorausgesagt - eine Prophezeiung, die ihm keine Ruhe mehr lässt...
Meine Meinung
Ich muss wirklich ein Update zu dem Klassiker-Post schreiben. Zu meiner Schande habe ich gerade festgestellt, dass ich mich auf dem Blog nie zu Das Bildnis des Dorian Grey geäußert habe. Diesen Klassiker habe ich bereits vor einer Weile gelesen, und überraschenderweise gewaltig genossen!
Als ich dann über die Penguin Little Black Classics stolperte, die auch zwei Kurzgeschichten von Wilde enthalten, wusste ich, dass ich die unbedingt haben musste!
Und auch Lord Arthur Savile's Crime enttäuscht nicht - im Gegenteil. Es macht mich nur noch trauriger, dass Oscar Wilde nicht mehr unter uns weilt und neue Romane/Kurzgeschichten schreiben kann. Sein Schreibstil ist einfach bildhaft und scheint immer die richtigen Worte zu finden!
Auch die gotisch angehauchte Geschichte ist einfach zu verfolgen - mit Spannung an den richtigen Stellen. Ein tolles, schnelles Lesevergnügen!
Taschenbüchlein / 50 Seiten / Penguin Classics / Kaufen? (Aktuell nur 1€!)

Sonntag, 29. Mai 2016

[Rezension] Ruin and Rising - Leigh Bardugo

Da es sich hierbei um den dritten Band der Trilogie handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.
Der Abschnitt "Die Grisha-Trilogie - Resümee" ist jedoch spoilerfrei.

Inhalt
Bei dem Versuch, den Darkling zu töten, hat Alina fast sich selbst umgebracht. Der Apparat hat es sich zu seiner Aufgabe gemacht, sich um ihr "Wohlergehen" zu kümmern - inklusive endloser Stunden, die sie allein in einem Raum eingesperrt wird oder zahlloser, versteckte Drohungen. Alinas Besserung hält sich in Grenzen - alles, was sie sich wünscht, ist, ihre Kraft wieder benutzen zu können. Doch das geht nicht, solange sie sich im Untergrund befindet. Deshalb nutzt sie die erstbeste Chance, um dem Apparat zu entfliehen - und Ravkas Rettung ein für allemal in Angriff zu nehmen.

Zitat
"I am not ruined. I am ruination."
- Leigh Bardugo, Ruin and Rising

Meine Meinung
Ich schätze mich sehr glücklich, die Grisha-Trilogie nur mit wenigen Unterbrechungen gelesen haben zu können. Die meisten Buchreihen, die ich beginne, sind nicht vollständig, oder sie sind vollständig und ich komme doch nie dazu, die Folgebände zu bestellen. Hier war das ganz anders: kaum hatte ich den einen Band begonnen, war der nächste bereits unterwegs. Hätte ich gewusst, dass ich so gut mit der Trilogie klar komme, hätte ich auch alle auf einmal bestellen können. ;)
Jetzt aber zurück zu Ruin und Rising, dem - leider - finalen Band rund um Alina, Mal und den Darkling. Das Buch schließt beinahe nahtlos an seinen Vorgänger an und man befindet sich sofort wieder mitten in der Geschichte. Alina ist abermals eine Art Gefangene - nun allerdings in den Händen des Apparats, der fest entschlossen ist, Alina in ihre Rolle als Heilige zu pressen...
Ich glaube, ich habe es nie erwähnt, aber ich finde die Art und Weise, wie Alina in den Büchern behandelt wurde, unglaublich spannend. Meistens werden die Protagonisten höchstens als Helden bezeichnet, in den Grisha-Büchern wird jedoch regelmäßig "Sankta Alina! Sankta Alina!" geschrien. Ich habe noch nie von einer Protagonistin gelesen, die wirklich als Heilige verehrt wurde, und auch wenn der Fanatismus mancher Anhänger gelegentlich befremdlich war, so fand ich diesen Aspekt doch sehr neuartig und faszinierend.
Zu Alina habe ich mich bereits in den vorhergehenden Rezensionen genug ausgelassen, deshalb werde ich mich kurz fassen: Trotz der massiven Veränderungen, die sich durchläuft, bleibt sie bis zur letzten Seite eine Protagonistin, die ich gut leiden kann. Alina ist alles außer perfekt und erscheint mehr störrisch als die große Charmeurin, aber gerade das macht sie in meinen Augen so bodenständig und angenehm.
Mal hingegen... Ich habe wirklich, wirklich lange über ihn nachgedacht. Meine Aversion ist im letzten Band auch nicht wirklich verschwunden, auch wenn ich dazu übergegangen bin, ihn schlichtweg zu "akzeptieren". Vermutlich liegt es daran, dass seine Beweggründe für mich immer schwer nachzuvollziehen blieben, aber das ist okay. Die Art und Weise, wie Leigh Bardugo seine Beziehung mit Alina beschrieben hat, war in Ordnung - aber für mich mehr ein Randelement der Geschichte.
Nikolai hingegen... <3 Mehr kann ich nicht sagen. Ein toller Anwärter auf den Thron - sehr charismatisch, sehr optimistisch. Er hat immer etwas Leichtigkeit in die oft sehr düstere Geschichte gebracht.
Mein kleines Highlight ist allerdings immer noch der Darkling - ein fantastischer Antagonist, bei dem auch mal humane Seiten durchblitzen, wenn man auch letzten Endes deutlich sagen kann, dass ihm der Wahn zu Kopf gestiegen ist. 
Und bevor das eine endlose Charakterauflistung wird (tut mir leid) - die Nebencharaktere, vor allem Genya, Zoya aber auch Baghra, waren ebenfalls klasse und fügten sich perfekt in das Bild ein.
Was ich mir im Nachhinein bei Ruin und Rising gewünscht hätte, wäre tatsächlich etwas mehr Länge gewesen. Ich weiß, bei Shadow and Bone habe ich noch Bardugos Fähigkeit, auf den Punkt zu kommen, gelobt, aber als ich die letzte Seite umblätterte, wollte ich am liebsten noch mehr Geschichten, noch mehr über Alina und die anderen lesen. Die Bücher waren so schnell und einfach zu lesen, dass ich jetzt fast etwas wehmütig bin, dass es so schnell vorbeiging.
Letzten Endes hat mir auch Ruin und Rising sehr viel Unterhaltung geboten - sogar etwas mehr als seine beiden Vorgänger, da ich einfach beeindruckt davon bin, was für eine komplexe Welt/Geschichte Leigh Bardugo geschaffen hat.

Die Grisha-Trilogie - Resümee
Lest die Bücher! Wer Lust auf eine Trilogie hat, die auf durchgehend gutem Niveau bleibt und sich nicht mit vielen überflüssigen Wörtern aufhält, ist hier richtig. Besonders Leigh Bardugos Schreibstil, die Grisha-Welt und die Charaktere überzeugen! 
Die Kindle-Editions kosten (momentan?) jeweils nur 0,99€, also wer mal in die Welt von Alina und Mal schnuppern will, nur zu! :) (Als Nicht-E-Book-Leserin kann ich jedoch sagen: die Print-Bücher sind verdammt hübsch!)

Fazit
In Ruin and Rising spinnt Leigh Bardugo alle angefangenen Fäden zu Ende und schafft ein rundes, emotional forderndes Finale der Grisha-Trilogie - ein toller Abschluss! (Auch wenn ich traurig bin, die Charaktere gehen lassen zu müssen.)


Titel: Ruin and Rising
Taschenbuch: 370 Seiten
Verlag: Indigo
Reihe: 3/3
Preis: ca. 11€
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Sonntag, 22. Mai 2016

[Rezension] A Court of Mist and Fury - Sarah J. Maas

Da es sich hierbei um den zweiten Band einer Reihe handelt, kann die Rezension Spoiler enthalten.

Inhalt
Obwohl es Feyre gelungen ist, Amarantha zu besiegen und den Fluch aufzuheben, ist ihr Leben grundlegend verändert. Tag für Tag geht es ihr schlechter, und sie droht, an den Dingen, die sie tun musste, um Tamlin zu retten, zugrunde zu gehen. Von Tamlin erhält sie keinen Beistand - im Gegenteil: er unternimmt alles, um sie zu schützen, was sie mehr zu einer Gefangenen macht als zu einer Geliebten. Das Ganze eskaliert, als Tamlin sie einsperrt, was dazu führt, dass Feyre geradezu in Rhysands Arme flüchtet, der High Lord des Night Courts, mit dem sie den Handel abgeschlossen hatte...

Zitat
“He thinks he'll be remembered as the villain in the story. But I forgot to tell him that the villain is usually the person who locks up the maiden and throws away the key. He was the one who let me out.” 
Sarah J. Maas, A Court of Mist and Fury

Meine Meinung
Nach A Court of Thorns and Roses war ich nicht nur ein emotionales Wrack, sondern auch verstört, dass ich bis Anfang Mai auf den Folgeband warten musste. (Jetzt bin ich verstört, dass ich EIN JAHR auf den letzten Band warten muss. Ich weiß, für George R. R. Martin ist das wahrscheinlich ein Wimpernschlag, aber, aber...)
Der Mai kam aber schneller als gedacht und vor allem war mein Mai stressiger als erwartet, sodass ich vor ein paar Tagen erst das Schätzchen erhielt und verschlang. Anders ausgedrückt: ich habe es vor etwa vier Tagen beendet, und ich bin immer noch mittelschwer verstört. So einen schlimmen Buch-Hangover hatte ich zuletzt bei den Chroniken der Unterwelt, was mittlerweile über vier (?) Jahre her ist.
Jetzt allerdings zurück zu A Court of Mist and Fury, was ich der Einfachheit wegen mit ACOMAF abkürzen werde. Was mir gleich zu Beginn des Buches entgegen schlug, war eine ganz neue, düstere Atmosphäre, die ich noch nie so erfahren hatte - nein, um ehrlich zu sein, habe ich selten solch ein düsteres Buch gelesen. 
An der Stelle muss ich auch sagen, dass es so einige sehr explizite/erotische Szenen enthält, etwas, mit dem ich nicht gerechnet habe - es hat mich auch nicht weiter gestört, aber nur, damit ihr gewarnt seid. ;)
Feyre ist eine gebrochene Frau. Und Sarah J. Maas beschreibt ihren Charakter so bildhaft, so roh und authentisch, dass es selbst dem Leser schmerzt, zu lesen, wie Feyre wieder und wieder von Tamlin vor den Kopf gestoßen wird. Sie zerbricht, verliert ihre Identität mehr und mehr - ist von nächtlichen Alpträumen geplagt, erbricht sich die Seele aus dem Leib und erleidet Panikattacken, und niemand hilft ihr, weil angenommen wird, sie brauche nur Zeit - ein fataler Fehler.
Ihr erstes Treffen mit Rhysand verläuft noch widerwillig - besonders Tamlin ist wütend über den Handel, den Feyre damals gemacht hat, und sucht nach Auswegen. Als die Situation im Spring Court jedoch eskaliert, wird Feyre geradezu von Rhysand gerettet, und wir lernen erstmalig den Night Court kennen.
Gelinde ausgedrückt: Der Night Court ist so viel mehr als nur ein düsterer Ort, über den in A Court of Thorns and Roses Horrorgeschichten verbreitet wurden. Sarah J. Maas hat nicht an Überlegungen gespart, und kreiert einen malerischen Platz, der vor den Augen des Lesers zum Leben erwacht. In ACOMAF lernen wir außerdem noch den Summer Court kennen - auch dieser bis ins Detail ausgearbeitet und zum Leben erweckt. Maas beweist abermals, wie gut sie dreidimensionale Welten kreieren kann.
Was man jedoch zu ACOMAF anmerken muss, ist, dass es nicht ansatzweise so rasant vor sich geht wie beim Vorgänger. Das Buch ist gesunde 600 Seiten lang, und auch wenn sie nicht vor rasanter Action platzen (was keineswegs schlimm ist!), steht jedes Wort an seinem Platz. Ich habe den Fehler gemacht, pure Action zu erwarten, was mir einen ordentlichen Dämpfer verpasste. (Dennoch habe ich das Buch über alles genossen. Ich muss beide Bände unbedingt noch einmal lesen!) "Spannend" ist das Buch dennoch - denn passieren tut letztendlich einiges, und wir erfahren vor allem, dass Amarantha nur der Anfang war.
Zuletzt noch ein paar Worte zu den Charakteren... dass Feyres Entwicklung unglaublich gelungen ist, auch wenn es mir schier das Herz brach, von ihrem Leid zu lesen, habe ich bereits erwähnt. Aber auch Rhysand ist ein ähnlich gebrochener Charakter: In den 50 Jahren, die er Under The Mountain verbracht hat, musste er ebenfalls unvorstellbare Grausamkeiten erleiden, ganz auf sich gestellt, da ihm der Hass der anderen Courts entgegengebracht wurde.
Aber Rhysand ist so, so viel mehr als nur ein bösartiger High Lord. Jede Neuigkeit über ihn war eine pure Überraschung für mich - Sarah J. Maas hat hier ein wahres Meisterwerk geschaffen. Neben Feyre ist er mein absoluter Favorit; so ein wandlungsfähiger, hingebungsvoller Charakter, der alles für sein Volk tun würde - nein, jemand, der alles für sein Volk tut.
Mit Rhysand kommen auch noch andere Charakter, wie zum Beispiel Mor, seine Cousine, oder auch Azriel und Cassian, die alle ganz besondere Persönlichkeiten sind, die Geschichte rund machen und der düsteren Situation lichte Augenblicke verleihen.
Ihr seht... Sarah. J. Maas did it again. Normalerweise fällt es mir schwer, ein Lieblingsbuch eines Autors auszuwählen (zum Beispiel bei Cassandra Clare), doch dieses Mal kann ich ganz klar sagen: ACOMAF ist vermutlich jetzt schon mein Jahreshighlight, und ganz gewiss mein liebstes Buch von Sarah J. Maas. War ich nach A Court of Thorns and Roses schwer berührt, bin ich es jetzt noch mehr. Es ist mir fast peinlich, das zuzugeben, aber ich habe selten so viel geweint bei einem Buch. A Court of Mist and Fury hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen - auf allen Ebenen.

Fazit
Mit A Court of Mist and Fury hat Sarah J. Maas womöglich ihr (bisher) bestes Buch verfasst. Das Buch ist düster, voller Wendungen und Emotionen, einer unglaublich dramatischen Geschichte, die in einer faszinierend gestalteten Welt spielt - meine uneingeschränkte Empfehlung!


(Obwohl es viel mehr Herzen verdienen würde!)

Titel: A Court of Mist and Fury
Taschenbuch: 626 Seiten
Verlag: Bloomsbury UK
Reihe: 2/3
Preis: ca. 9,50€