Mittwoch, 20. Juli 2016

[Talk About Books] Leselaunen #2

Bis Oktober ist Sanne von Life in Petricolour Gastgeberin der Leselaunen. Schaut gerne mal auf ihrem Blog vorbei, sie hat einen angenehmen Schreibstil und wirkt sehr sympathisch. :)


Aktuelles Buch?
Joyride von Anna Banks. Ich habe das Buch gestern in einem Anfall von "will irgendetwas Sommerliches" (was mir so ziemlich jedes Jahr passiert) gekauft und zumindest zu meiner aktuellen Lesestimmung passt es. Obwohl ich manchmal das Gefühl habe, dass die Protagonisten Carly und Arden sämtlichen Klischees entsprechen, ist die Idee an anderen Stellen wiederum sehr abwechslungsreich. (Er versucht, seinen Onkel vom Alkohol abzubringen, indem er einen Überfall simuliert - sie hält ihn auf. Das ist meiner Meinung nach interessant. Dann allerdings versucht er wochenlang, sie zu umgarnen, und sie ist quasi das erste Mädchen, das ihn jemals abblitzen hat lassen. Das kennen wir alle schon gut genug.)
Auch die Übersetzung stört mich stellenweise. Das ist ein Jugendroman, und manche Dinge, die die beiden sagen, sind... unpassend? Vielleicht ist das im Original genauso. Auf jeden Fall ist es seltsam.
Was man dem Buch allerdings lassen muss: Es ist genau das, was ich lesen wollte. Ein leichtes, unbeschwertes Sommerbuch. Deshalb bin ich auch schon fast bei der Hälfte.
Nebenher lese ich - immer noch - A Dance of Dragons. Es neigt sich dem Ende zu, Freunde! Ich bin schon ein wenig traurig, dass es GRRM bisher nicht hingekriegt hat, The Winds of Winter zu vollenden. Und nicht sehr optimistisch, dass ich es irgendwann in den nächsten Wochen Monaten in den Händen halten werde.
Ach ja: Wer Lust hat, mehr über die Bücher, die ich gerade lese oder gelesen habe, zu erfahren, darf mich gern als Freund bei Goodreads hinzufügen.

Momentane Lesestimmung
Fantastisch! Wie gesagt, ich habe gerade Lust auf eher leichtere Lektüren, aber dem schafft Joyride hoffentlich erst mal Abhilfe. Außerdem gibt es nichts Besseres, einen Sommertag zu verbringen, indem man draußen liegt und einfach in Ruhe liest.

Zitat der Woche
"'Super. Also, jetzt, da wir Freunde sind, habe ich eine sehr wichtige Frage an dich. Ich möchte gern wissen, ob du mir die Ehre erweisen würdest, meine Komplizin zu sein.'
Ich frage mich, ob den anderen auch auffällt, wie seltsam Arden Moss wirklich ist."
(Joyride, Anna Banks)

Und sonst so?
Viel hat sich seit dem letzten Post nicht verändert. Ich genieße immer noch meine freie Zeit, lese viel und arbeite auch viel an meinem Buch, wovon ich hin und wieder auch auf Twitter erzähle, und wenn dann noch Zeit übrig bleibt, mache ich Yoga und schaue Serien. Und seit ungefähr einer Woche freue ich mich über Pokémons, die mir über den Weg laufen.
Findet ihr langweilig? Ich nicht. Ich genieße es voll und ganz und bin fest entschlossen, bis Oktober so entspannt wie nur möglich zu sein. :)

Sonntag, 17. Juli 2016

[Rezension] The Song of Achilles - Madeline Miller

Inhalt
Greece in the age of heroes. Patroclus, an awkward young prince, has been exiled to the court of King Peleus and his perfect son Achilles. Despite their differences, Achilles befriends the shamed prince, and as they grow into young men skilled in the arts of war and medicine, their bond blossoms into something deeper - despite the displeasure of Achilles's mother Thetis, a cruel sea goddess. But when word comes that Helen of Sparta has been kidnapped, Achilles must go to war in distant Troy and fulfill his destiny. Torn between love and fear for his friend, Patroclus goes with him, little knowing that the years that follow will test everything they hold dear.

(Quelle: Bloomsbury - ihr wisst ja, dass ich in der Regel den Inhalt selbst zusammenfasse, aber das fiel mir bei diesem Buch unglaublich schwer. Einen deutschen Klappentext findet ihr hier.)

Meine Meinung
Bin ich die Einzige, die manchmal ein Buch bestellt, von dem sie eigentlich gar nichts weiß? Ich habe lediglich den Namen von The Song of Achilles öfters in Buchbloggerkreisen gehört. Nicht laut, eher so ein Flüster-Tipp. Und als ich das Buch gebraucht für gute zwei Euro sah, hab ich's eben bestellt.
Ohne die geringste Ahnung zu haben, was mich erwartet.
Als ich schließlich das Buch das erste Mal in die Hand nahm und herausfand, dass es sich hierbei um griechische Mythologie handelte, wusste ich erst recht nicht, was ich davon halten sollte. Bitte verzeiht mir - aber ich kannte die Geschichte von Achilles und Patroclus nicht. Den Namen Achilles habe ich schon mal gehört, natürlich. Ich wusste ein bisschen von dem Trojanischen Krieg, Odysseus war mir zumindest etwas vertraut.
Und es war wunderbar.
Ich habe im Nachhinein überlegt, ob ich das Buch (noch) mehr gemocht hätte, wenn ich von Anfang an die Geschichte gekannt hätte. Und ich glaube, die Antwort ist nein. Madeline Miller hat mir die Geschichte (die ich hinterher ausgiebig recherchiert habe, keine Sorge) auf eine Art und Weise nahe gebracht, wie es kein Geschichtsbuch, kein Wikipedia-Eintrag hätte tun können. Außerdem hatte die Art und Weise, ganz unwissend an die Sache heranzugehen, etwas gewaltig Erfrischendes.
Wenn ihr also ebenfalls die Geschichte von Patroclus und Achilles nicht kennt und euch das Buch interessiert - ihr könnt da mit wenig oder sogar ohne jegliches Vorwissen herangehen. Meiner Meinung nach lohnt es sich.
Was mich allerdings zuallererst in den Bann gezogen hat, war etwas ganz anderes. Es war der erste Satz. Der erste Abschnitt. Das erste Kapitel.
Ich kann euch nicht sagen, wann ich zuletzt ein Buch gelesen habe, das mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Immer öfter kommen mir Bücher unter, die zwar gut, wenn nicht sogar exzellent sind, aber die mich erst nach einigen Seiten fesseln können. Das war bei The Song of Achilles nicht der Fall.
Ein Teil dieser Wirkung ist gewiss der Geschichte zuzuschreiben. Der andere Teil jedoch (ein ziemlich großer, wenn es nach mir geht) gebührt Millers Begabung.
Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich außerschulisch einen Stift zur Hand genommen und begonnen, Sätze zu unterstreichen. Für mich ist das ein großer Schritt - normalerweise lasse ich meine Bücher nahezu unberührt.
Hier jedoch konnte ich mich nicht halten. 

"The rosy gleam of his lip, the fevered green of his eyes. There was not a line anywhere on his face, nothing creased or greying; all crisp. He was spring, golden and bright."

Madeline Miller macht die simpelsten Beschreibungen zu wahren Kunstwerken, sodass ich manche Zeilen wieder und wieder lesen wollte, absolut beeindruckt von ihrem Schreibstil. Miller hat ganze zehn Jahre für das Verfassen dieses Buches gebraucht - aufgrund der Recherche, wie es in diversen Quellen heißt. Ich fragte mich öfters, ob sie wohl auch eine lange Zeit an den Sätzen gefeilt hat, oder ob dies überwiegend Begabung ist - wie auch immer es sei... In nicht einmal 400 Seiten hat sie mich komplett überzeugt. The Song of Achilles ist das am besten geschriebene Buch, das ich in meinem Leben gelesen habe.

Achilles und Patroclus sind keine Helden, auch wenn vor allem Ersterer unter diesem Beinamen nach Troja geht. Beide sind fehlerhaft. Beide sind keine vollkommenen Charaktere - meistens überwiegen sogar die negativen Eigenschaften - Patroclus mit seiner Passivität, Achilles und seine Arroganz. Trotzdem habe ich sie vergöttert, ganz besonders die Tatsache, dass die Geschichte aus Patroclus' Sicht verfasst ist. Natürlich beschönigt er manchmal das Verhalten Achilles' - gleichzeitig stellt Miller seinen inneren Kampf dar, die Frage, ob die Liebe der beiden Männer stark genug ist, um das alles auszuhalten.
Doch vor allem anfangs, zu Beginn der Belagerung, ist alles noch sehr positiv gestimmt. Wie Miller es treffend beschreibt:

"It was as Odysseus had said: he had light enough to make heroes of them all."

Später, in den Jahren, die sie ihre Lager aufgespannt haben, ändert sich das alles natürlich. Doch so sehr man Achilles' Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen sein kann, die Liebe zwischen ihm und Patroclus ist... rein. Madeline Miller beschreibt sie sehr sanft, gleichzeitig innig und unzerstörbar.


"'You chose her,' he says. 'Over me.' 

'Over your pride.' The word I use is hubris. Our word for arrogance that scrapes the stars, for violence and towering rage as ugly as the gods."

Und weil ich sowieso gerade eine Flut an Zitaten abtippte, will ich euch ein letztes nicht vorenthalten. Ich bin mir relativ sicher, dass wir vor ein paar Jahren in der Schule Ausschnitte der Ilias gelesen haben. Auf jeden Fall hatte ich schon immer eine leichte Begeisterung für Odysseus, und mir gefiel die Art und Weise, wie Miller ihn porträtiert hat, einfach unglaublich gut - so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Für mich ist er einfach ein unberechenbarer, gleichzeitig aber auch unglaublich genialer und intelligenter Charakter.

"Odysseus shrugged. 'There are many ways to start a war. I always think raiding makes a good beginning. It accomplishes almost the same thing as diplomacy, but with greater profit.'"

Natürlich kann ich euch nicht sagen, ob Millers Darstellung historisch korrekt ist. Ich habe schon zahlreiche Rezensionen gelesen, die sich über die Homosexualität in dem Buch beschwert haben, aber die stemple ich mal unter "nicht ernstzunehmen" ab. ;) 
Wie ich bereits gesagt habe: The Song of Achilles stellt die griechische Mythologie auf eine unglaublich faszinierende, spannende Art und Weise da, die mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen hat. Selbst als ich erst fünfzig Seiten gelesen hatte, wollte ich nicht, dass das Buch jemals endet.
Und jetzt noch zwei Dinge zum Schluss: Wer kann, soll das Buch auf Englisch lesen. Ich kenne zwar die deutsche Übersetzung nicht, doch das Original besticht in diesem Falle mit einem unglaublich brillanten Schreibstil, der auch für weniger erfahrene Leser gut verständlich sein müsste.
Außerdem entschuldigt bitte die Länge der Rezension. Ich habe meines Erachtens noch nie so eine lange verfasst, und ich habe auch selten so lange überlegt, wie ich die Liebe, die ich für dieses Buch empfinde, in Worte fassen soll. Jetzt, am Ende, glaube ich zwar nicht, dass es mir besonders gut gelungen ist, aber... aber wenn ihr euch nur ansatzweise für Madeline Millers Werk interessiert, dann nehmt es zur Hand. Egal, ob neu oder gebraucht - dieses Buch ist ein spektakuläres Meisterwerk, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Fazit
The Song of Achilles ist ein fantastisches Buch. Nach nur wenigen Seiten hatte mich die Geschichte und vor allem der brillante Schreibstil Millers in den Bann gezogen und einen festen Platz in meinem Herzen gefunden. Eines der besten Bücher, das ich jemals gelesen habe!



Titel: The Song of Achilles
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Bloomsbury
Reihe: -
Preis: ca. 6,99€
Kaufen?
(Hier findet ihr die deutsche Version.)

Freitag, 8. Juli 2016

[Rezension] Das Morgen ist immer schon jetzt - Patrick Ness

Originaltitel: The Rest of Us Just Live Here

Inhalt
Im Moment ist es Mikeys größtes Problem, es endlich mal auf die Reihe zu kriegen, Henna seine Liebe zu gestehen und seinen Abschluss zu machen. Die blauen Lichter, die komischen Polizisten und die toten Indie Kids werden da schon fast zur Nebensache. Aber nur fast. Denn schließlich wäre es blöd, wenn seine Schule in die Luft fliegen würde, bevor er sein Zeugnis hätte.

Zitat
"... es ist, als würde ich am Grund eines Brunnens sitzen. Als würde ich in diesem tiefen, tiefen Loch hocken und nach oben schauen, wo nur ein winziger Lichtpunkt zu sehen ist, und um überhaupt gehört zu werden, müsste ich mir die Lunge aus dem Leib schreien, aber selbst wenn ich das täte, würde ich nur etwas Falsches sagen, oder sie würden mir nicht zuhören, und falls doch, würden sie sich nur über mich lustig machen."
(Patrick Ness, Das Morgen ist immer schon jetzt)

Meine Meinung
Ich wollte schon immer mal ein Buch von Patrick Ness lesen. Einfach, weil ich schon so viel Gutes von ihm gehört habe. Was mich erwarten würde, wusste ich dennoch nicht - und Das Morgen ist immer schon jetzt war definitiv eine ganz besondere Erfahrung.
Es ist unglaublich schwer, den Inhalt zu beschreiben. Ich habe auch während des Lesens oft innegehalten und mich gefragt, was genau gerade vor sich geht - was Ness mit seiner Erzählung erreichen möchte.
Man muss sich das so vorstellen: Zu Beginn jeden Kapitels widmet sich Patrick Ness in einem Absatz den sogenannten "Indie Kids". Die Indie Kids sind eine Gruppe Kinder, die irgendwie abgesondert von dem Rest der Stadt leben und denen immer so seltsame Geschichten passieren. (Unter anderem gab es einmal eine Vampirwelle - eine Anspielung, wie ich erst im Nachhinein begriffen habe.) Und Patrick Ness hat sich für diese Kinder quasi eine komplette Storyline ausgedacht, die er parallel zu der von Mikey erzählt, nur in absoluter Kurzform. Und das hat mich am Anfang verwirrt, als ich mit Namen bombardiert wurde. Ich kam mir fast zu blöd vor, um diesen Aspekt zu verstehen, auch wenn sich das beim Voranschreiten der eigentlichen Geschichte gelegt hat, insbesondere, als sich beide Storylines zumindest kurzzeitig überschnitten.
Das ist eine Eigenheit des Buches.
Die andere Eigenheit betrifft die Geschichte an sich. Von Vampiren über tote Indie Kids bis hin zu blauen Lichtern ist alles dabei - darunter auch zahlreiche Anspielungen bzw. Anlehnungen an andere Geschichten. Dieser Mix ist teilweise verdammt verwirrend, zumindest erging es mir so. Von den meisten Büchern ist man ein Wesen gewohnt oder zumindest eine überschaubare Auswahl - für Das Morgen ist immer schon jetzt fand ich keine passende Schublade.
Wohlgemerkt sage ich nicht, dass das schlecht ist. Ich empfand es lediglich als ungewöhnlich und stellenweise verwirrend - wenn man sich jedoch einmal darauf einlässt bzw. daran gewöhnt, dann ist es schlichtweg originell. Jedenfalls ist mir bisher noch nichts dergleichen untergekommen. (Und Schubladendenken sollte man sowieso aufgeben!)
Was ich an dem Buch jedoch uneingeschränkt liebte? Einmal die Charaktere. Nicht nur Mikey, sondern auch seine Freunde Henna, Jared und Mel (die auch seine Schwester ist). Und das ist nur eine kleine Auswahl. Selbst die Indie Kids habe ich ziemlich ins Herz geschlossen. Ness kreiert damit nicht nur Diversität (Jared, zum Beispiel, ist schwul), sondern auch ein fantastisches Netz an Freunden mit unterschiedlichen Problemen, Eigenheiten und Interessen. 
Die einzige Ausnahme davon ist meiner Meinung nach Mikeys Mutter, deren Charakter mir ziemlich künstlich vorkam. Auch die Art und Weise, wie sie als Politikerin porträtiert wurde, hat mir nicht gefallen, aber das ist wirklich eine Kleinigkeit, die nicht weiter ins Gewicht fällt. Abgesehen davon habe ich riesigen Gefallen daran gefunden, mehr über die anderen zu erfahren - von Nenn-mich-Steve bis hin zu "Merde Breath" (ein Spitzname für Meredith, Mels und Mikeys Schwester).
Auch unglaublich gut gefallen hat mir die Art und Weise, wie Ness von psychischen Krankheiten erzählt. Mikey leidet unter einer Zwangsstörung, die sich während des Buches wieder verschlimmert, und seine Schwester Mel leidet/litt an einer Essstörung. Hier wird nichts verschönt, aber gleichzeitig auch nicht übermäßig dramatisiert - Patrick Ness fügt diese beiden Aspekte geschickt in die Geschichte ein. Auch wenn ich diese Krankheiten nicht nachvollziehen kann, so hatte ich doch den Eindruck, dass Ness alles sehr realistisch darstellt.
Tja, und der angenehme Schreibstil des Autors trug nur dazu bei, dass ich das Buch binnen weniger Tage ausgelesen hatte. Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, was ich dazu sagen möchte, wie genau ich meine Wertung begründen kann - was mir, zugegeben, nicht einfach fiel. Ich möchte das jetzt einfach mal so loswerden: Das Morgen ist immer schon jetzt IST ein seltsames Buch. Es hat zahlreiche Eigenheiten und Aspekte, die auf den ersten Blick schräg wirken, aber das ist auf keinen Fall etwas Schlechtes. Das Buch macht Spaß. Es macht Spaß, von Mikey und seinen Freunden zu lesen, und zusammen mit den Indie Kids zu hoffen, dass sie Schlimmeres vermeiden können. Und in diesem Sinne ist Das Morgen ist immer schon jetzt ein wirklich wertvolles Buch.

Fazit
Das Morgen ist immer schon jetzt ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss - und wie sich das lohnt! Hier gibt es nichts, das man in eine Schublade stecken kann, sondern stattdessen eine wundervolle Gruppe an Charakteren und eine außergewöhnliche Geschichte. Ein ganz besonderes Werk!


Danke an cbj für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Das Morgen ist immer schon jetzt
Hardcover: 320 Seiten
cbj 
Reihe: -
Preis: 16,99€

Mittwoch, 6. Juli 2016

[Talk About Books] Leselaunen #1

Seit mehreren Monaten lese ich schon den Blog der lieben Novembertochter und immer, wenn ich von ihren Leselaunen las, wollte ich unbedingt auch mal mitmachen. Endlich ist es mal so weit. ;) Vor allem wollte ich euch auch mal anderen Content als ausschließlich Rezensionen bieten, und ich finde dieses Konzept einfach sehr toll/abwechslungsreich!


Aktuelles Buch?
Nun ja... "aktuell" ist es nicht. A Dance of Dragons lese ich schon seit über zwei Monaten, wie ich zu meiner Schande gestehen muss. Das liegt aber nicht daran, dass es schlecht ist. Ich brauche einfach eine Weile für George R. R. Martins Bücher. Außerdem bin ich gerade in der Post-Staffel-6-Depression. Und nach A Dance of Dragons heißt es, dass ich offiziell zu denen gehöre, die auf The Winds of Winter warten... 
Gestern habe ich Das Morgen ist immer schon jetzt von Patrick Ness beendet, dazu kommt demnächst die Rezension!
Und ganz aktuell debattiere ich innerlich, ob ich als Nächstes Passagier 23 oder The Song of Achilles lesen soll. Irgendwelche Meinungen?


Momentane Lesestimmung
Gut! Zugegeben, es könnte besser sein. Jetzt nach dem Abi arbeite ich vor allem aber auch an meinen eigenen Schreibprojekten intensiver, sodass ich quasi einen gesunden Teil des Tages damit verbringe, die zu lesen. Das ist zumindest eine kleine Entschuldigung. ;) Aber ich schaffe locker meine durchschnittlichen vier bis fünf Bücher pro Monat. (Vielleicht sollte ich mir vornehmen, diesen Monat endlich ADoD auszulesen.)

Zitat der Woche
"... es ist, als würde ich am Grund eines Brunnens sitzen. Als würde ich in diesem tiefen, tiefen Loch hocken und nach oben schauen, wo nur ein winziger Lichtpunkt zu sehen ist, und um überhaupt gehört zu werden, müsste ich mir die Lunge aus dem Leib schreien, aber selbst wenn ich das täte, würde ich nur etwas Falsches sagen, oder sie würden mir nicht zuhören, und falls doch, würden sie sich nur über mich lustig machen."
(Patrick Ness, Das Morgen ist immer schon jetzt)

Und sonst so?
Post-Abi-Leere. Das sollte eigentlich alles sagen. Oder in anderen Worten: Ich habe in den letzten zwei Wochen so viele Serien geguckt wie in einem halben Schuljahr... Aber ich genieße es. Irgendwie.

Donnerstag, 30. Juni 2016

[Rezension] Six of Crows - Leigh Bardugo

Inhalt
Kaz Brekker ist ein Krimineller - und er macht seinen Job verdammt gut. Als ihm ein Auftrag angeboten wird, dessen Gewinn neue Höchstmaße erreicht, zögert er nicht lange und stellt seine Crew zusammen. Zusammen mit fünf weiteren Leuten, die verschiedener nicht sein können, begibt er sich auf eine Aufgabe, die genauso ihre letzte sein könnte.

Zitat
“When everyone knows you’re a monster, you needn’t waste time doing every monstrous thing.”
(Leigh Bardugo, Six of Crows)

Meine Meinung
Ich hätte niemals gedacht, dass ich dieses Buch so sehr mögen würde. (Wer sich über eine emotionale, fehlerhafte Buchreview amüsieren will, die ich direkt nach dem Beenden dieses Buches verfasst habe, soll das hier tun.) Wirklich nicht. Das hatte nicht einmal etwas damit zutun, dass ich nach der Grisha-Trilogie zwar wusste, dass Leigh Bardugo schreiben kann, aber mir nicht sicher war, ob Six of Crows mich ebenfalls überzeugen können würde.
Denn ich und dieses Buch hatten nicht gerade einen reibungslosen Start. Auch wenn ich die Grisha-Trilogie gelesen habe, war ich schlichtweg überwältigt. Es war eine Sache, alle Hauptcharaktere (immerhin sind es sechs davon!) auf dem Schirm zu behalten. Aber es kamen gefühlt weitere hundert Orte und Nebencharaktere dazu, und ich blätterte entweder andauernd zurück und/oder war dezent frustriert. Das kann aber auch daran liegen, dass ich einfach ein verdammt schlechtes Namensgedächtnis habe. Ihr wisst gar nicht, wie stolz ich darauf bin, bei Game of Thrones zumindest 80% der Zeit (ich spreche von den Büchern) durchzublicken.
... wie auch immer. Auch als ich endlich die Namen einigermaßen auf die Reihe kriegte, hörte es mit den Schwierigkeiten nicht auf. Ich stolperte nämlich über Rückblenden - Bardugo fügte mehr und mehr Rückblenden über die Vergangenheit der Charaktere ein. Ich bekam quasi das Gefühl, dass die eigentliche, präsente Geschichte gar keinen wirklichen Fortschritt machte. Dass Kaz, Inej, Jesper, Wylan, Nina und Matthias auf ihrer Reise nicht wirklich voran kamen.
Aber ich hatte ja keine Ahnung.
1) Ich glaube (oder zumindest möchte ich es so interpretieren), dass Bardugo nicht nur eine Geschichte erzählt. Sie hat vielmehr ein Netzwerk, ein Meisterwerk an Charakteren geschaffen. Als ich verstand, dass diese Flashbacks zwar nicht unbedingt die eigentliche Handlung voran brachten, sondern allem viel mehr Tiefe verlieren, konnte ich sie erst so richtig genießen - und die Charaktere in der Gegenwart, ihr Verhalten und ihre Entscheidungen viel besser verstehen.
2) Und für jede Stelle, die mal nicht voller Spannung war, macht Bardugo am Ende fünf gut. Ungelogen: einer der besten Showdowns, den ich seit langem gelesen habe. Immer, wenn ich dachte, es voraussehen zu können, setzte die Autorin noch einen drauf. Fantastisch!
Deshalb bin ich ein kleines bisschen in Six of Crows verliebt (und ganz besonders in Kaz). Ich weiß, dass ich ein gutes Buch gelesen habe, wenn ich die Charaktere nicht gehen lassen will. Wenn es mir wehtut, wenn ihnen etwas widerfährt. Wenn ich mit ihnen mitfiebere und manchmal einfach zwei Gesichter aneinander pressen will.
Jeder von Kaz' Crew, Kaz miteingeschlossen, ist individuell. Mehr als das: jeder hat seine eigene Vergangenheit, seine Präferenzen, Abneigungen, Vorurteile und Ängste. Leigh Bardugo zeigt nicht nur, dass sie das Thema Diversität gut ins Spiel bringen kann, sondern erweitert auch den Blick auf andere Völker in "ihrer" Welt wie zum Beispiel die Fjerdans. Es war nicht nur spannend, sondern auch einfach super interessant, mal einen anderen (weniger positiven) Blick auf die Grisha zu kriegen.
Und deshalb stieg meine Wertung, als ich das Buch gelesen habe. Ich kann nicht anders. Ich gebe jedem Buch bis zur letzten Seite eine Chance, mich zu überzeugen, und Six of Crows hat diese definitiv genutzt. Leider, leider handelt es sich dabei um einen Zweiteiler, eine Tatsache, die ich erst noch verkraften muss. Denn ich weiß einfach, dass Bardugo einen genialen zweiten (letzten :( ) Band schreiben wird. Mit noch mehr Plottwists, noch mehr Weltenbau und - hoffentlich auch - mehr Charakteren, die ich nicht loslassen will.

Fazit
Six of Crows ist ein fulminanter Auftakt. Leigh Bardugo ist als Autorin gewachsen und kreiert nicht nur einen, sondern sechs Protagonisten, die mit Tiefe und Charakter begeistern und überzeugen. Definitiv eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe!


Titel: Six of Crows
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Hachette Books
Reihe: 1/2
Preis: ca. 9,70€
Kaufen?